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WANTED: In Memory Amelica (Gründerin dieses Forums, weilt aber leider nicht mehr unter uns) Joey (Ex-Teammitglied, hat uns leider ebenfalls verlassen) | UHRZEIT Frei wählbar Jahreszeit Sommer (Dezember - Februar) WETTER Australien Wie immer im europäischen Winter, der der australische Sommer ist, sind die Temperaturen unmenschlich heiß. 40°C - 50°C am Tag und sehr trocken/Achtet auf den Umgang mit Feuer! Durch den mangelnden Regen ist die Buschbrandfahr immens hoch// ca. 30°C-35°C in der Nacht Meer Eine schwache Brise weht über die See, aber es ist sehr warm // Circa 30°C | ![]() |
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| Ureinwohner (Aborigines) |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Ureinwohner (Aborigines) "Wenn Sie von 'Native Title' reden wessen Recht meinen Sie dann? Die Einheimischen sind wir ... das ist unser Gesetz Wunan ... es bleibt wie es ist - wir können nicht plötzlich anders denken ... diesem Gesetz sollten wir treu sein ... es war vom ersten Tag da und wird da sein bis zum letzten." Nyawarra (Paddy Neowarra) Vorsitzender des Kamali Land Council Kimberleys/WA Die Aborigines („Ureinwohner“) sind die Ureinwohner Australiens. Sie besiedelten vor etwa 40.000 bis 50.000 Jahren den Kontinent. Aborigines sind kein einheitliches Volk, sondern bestehen aus Stämmen oder Clans mit oft höchst unterschiedlichen Gebräuchen und Sprachen: Je nach Definition und Quelle gab es vor der Ankunft der Weißen etwa 400 bis 700 verschiedene Stämme der Aborigines, die vorwiegend als Jäger und Sammler lebten. Mit der Ankunft der weißen Siedler ab 1788 sank die Zahl der Aborigines von geschätzten 300.000 bis 1Million Einwohnern auf 60.000 im Jahr 1920,hauptsächlich wegen eingeschleppter Krankheiten, aber auch durch gewaltsame Konflikte mit den Siedlern um die Rechte an dem Land. Bezeichnung Das Wort aborigine (von lateinisch ab origine „von Beginn an“) bedeutet im Englischen allgemein Ureinwohner; es war ursprünglich die Bezeichnung für die Ureinwohner im Latium, einer Landschaft im frühen Italien. Als Bezeichnung speziell für die Ureinwohner Australiens wurde es erstmals 1803 schriftlich dokumentiert; inzwischen gilt Aborigines im Englischen als abwertend und wird durch Aboriginal ersetzt. Selber bezeichnen sich Aborigines meist in ihren jeweiligen Sprachen, zum Beispiel Koori im Südosten Australiens oder Anangu im Zentrum. Im deutschen Sprachgebrauch werden unter dem Begriff Aborigines meist alle Ureinwohner des Kontinents verstanden, während man in Australien zwischen Aborigines und den Torres-Strait-Insulanern, den ursprünglichen Bewohnern der Inseln in der Torres-Straße in der Meerenge zwischen dem australischen Kontinent und Neuguinea unterscheidet. Im dortigen Sprachgebrauch spricht man von den Aboriginals and Torres Strait Islanders, First Australians oder Indigenous People, wenn die Gesamtheit der Ureinwohner des Staates Australien und deren Abkömmlinge bezeichnet werden soll. Eine Person wird als Aborigine definiert, die Nachkomme von Aborigines ist, sich selber als Aborigine bezeichnet und von der Gemeinschaft in der sie lebt, als solche akzeptiert wird.
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| 14.01.2011 20:56:28 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Geschichte Vor-Geschichte Das genaue Datum der Ankunft der Urienwohner in Australien ist unter Archäologen stark umstritten. Am häufigsten wird ein Zeitraum zwischen 50.000 und 60.000 v. Chr. genannt. Das etwas präzisere Datum von 48.000 v. Chr. basiert auf Siedlungen in Nordaustralien, die mit Hilfe von Thermolumineszenz datiert wurden. Bei vielen anderen Fundstätten wurden durch Radiokohlenstoffdatierung Daten von 38.000 v. Chr. gemessen, was bei einigen Forschern zu Zweifeln an der Qualität und Genauigkeit der Thermolumineszenz-Methode geführt hat, zumal bei einem Test die Errichtung der Siedlung Jinmium im Northern Territory auf 200.000 v. Chr. bestimmt wurde. Allerdings sind 14C-Daten über 30.000 Jahren ohnehin mit Mißtrauen zu betrachten, da sie am Rande der Meßgenauigkeit liegen. Der Mungo Man, dessen Überreste 1974 in der Nähe des Lake Mungo in New South Wales gefunden wurden, ist der älteste bisher gefundene Mensch in Australien. Auch wenn sein exaktes Alter umstritten ist, geht man von etwa 40.000 Jahren aus. Nahebei wurde Mungo Lady aus dem gleichen Zeitraum gefunden; bei ihr lässt sich ein komplexes Feuerbestattungs-Ritual nachweisen. Steinwerkzeuge, die am See gefunden wurden, konnten auf ein Alter von 50.000 Jahren bestimmt werden. Da sich der Lake Mungo im Südosten Australiens befindet, gehen viele Archäologen davon aus, dass die ersten Menschen einige tausend Jahre früher in Nordwest-Australien angekommen sein müssen. Während Mungo Man wegen seiner Schädelform und seiner Größe als graziler Mensch eingestuft wurde, gab es in Kow Swamp (Victoria) Funde von menschlichen Überresten, die als robust eingeordnet und auf ein Alter von etwa 15.000 Jahren geschätzt werden. Zu dieser Zeit währte das letzte Maximum der jetzigen Eiszeit. Die unterschiedlichen Anatomien wurden herangezogen, um Theorien über zwei oder drei Immigrationswellen nach Australien zu untermauern. Es gibt aber keine systematischen Unterschiede in der mtDNA zwischen diesen Skeletttypen, weswegen wieder eher von einer einzigen Immigrationswelle ausgegangen wird. Unterschiede im Aussehen werden nun als evolutionäre Anpassungen an die klimatisch kälteren Bedingungen durch Selektion sowie Genfluss erklärt. Die heutigen Aborigines ähneln mittlerweile wieder eher der grazilen Form der Menschen. Auch wenn es keine weiteren Immigrationswellen nach Australien gab, hat es immer wieder Kontakte zur Außenwelt gegeben: So ist zum Beispiel der Dingo vor etwa 4000 Jahren nach Australien wahrscheinlich von Timor oder über Neuguinea mit Seefahrern nach Australien gekommen.Aus Makassar kamen möglicherweise seit dem 16. Jahrhundert, sicher ab etwa 1700, jedes Jahr zur Regenzeit Sammler von Seegurken für mehrere Wochen an die Nordküste und insbesondere ins Arnhemland, wo dieser Aufenthalt die Kultur der Yolngu beeinflusste. Der erste Europäer, der auf Aborigines traf, war Willem Jansz, der 1606 die Westküste Australiens betrat. Danach folgte eine ganze Reihe weiterer Entdecker. Dagegen lebten die Tasmanier seit dem Ende der Eiszeit seit etwa 12.000 Jahren isoliert von den Aborigines des Festlandes. Mit steigendem Wasserpegel entstand die 250 km weite Bass-Straße, die Tasmanien vom Festland trennte. Die Aborigines lebten durch alle Klimaveränderungen hindurch und passten sich erfolgreich der wechselnden Umwelt an. Es gibt große Debatten darüber, inwieweit sie ihre Umwelt selbst verändert haben. Eine Diskussion dreht sich um die Rolle der Aborigines bei der Ausrottung der Megafauna der Beuteltiere. Manche schreiben dies dem Klimawechsel zu, andere glauben, dass die Tiere aufgrund ihrer Langsamkeit einfache Beute waren. Eine dritte Möglichkeit wäre, dass das Aussterben durch menschliche Veränderungen an der Umwelt, vor allem durch Feuer, indirekt verursacht wurde. Es gibt Beweise für eine substantielle Änderung innerhalb der indigenen australischen Kultur im Laufe der Zeit. Felsmalereien an verschiedenen Plätzen in Nordaustralien zeigen deutlich verschiedene Stile, die sich mit verschiedenen historischen Perioden verknüpfen lassen. Einige dieser Felsmalereien haben nahegelegt, dass zum Beispiel die letzte große Eiszeit vor 20.000 Jahren mit einer kontinentalen Trockenheit und einer Verbreitung von Sanddünen mit gesunkener Aktivität und größerer Spezialisierung bei der Benutzung von Materialien und Nahrungsmitteln bei den Aborigines einherging. Nach 1780 Die britische Kolonisation Australiens begann 1788 mit der Ankunft der First Fleet in der Botany Bay. Die ersten Kontakte zwischen den Mitgliedern der ersten Flotte unter Arthur Phillip und den Aborigines sollen zunächst vorwiegend friedlich gewesen sein, da Phillip anwies, die Aborigines gut zu behandeln. Man betrieb Handel mit Lebensmitteln, weil die Kolonisten sich noch nicht selbst versorgen konnten. Bennelong, ein Mitglied der Eora, war ein Vermittler zwischen den beiden Kulturen, der Englisch lernte und seine Sprache lehrte und so zu einer Verständigung beitrug. Nach Schätzungen des Australian Bureau of Statistics sank die Bevölkerung der Aborigines von den ursprünglich 300.000 bis 1 Million bis 1920 auf 60.000. Große Teile der Aborigines starben an eingeschleppten Krankheiten wie Influenza oder bei der Pockenepidemie von 1789, bei der unter anderem mehr als 50% der Darug getötet wurden. Sterilität bei Frauen nahm zu wegen Geschlechtskrankheiten, die sie vor allem durch Prostitution und Sex-Sklaverei erwarben.
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| 14.01.2011 20:59:50 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Gesellschaft traditionelle Lebensweise Die Bevölkerungszahl war sehr wahrscheinlich über tausende von Jahren hin konstant. Die dichteste Besiedlung wiesen auch schon vor der Ankunft der Europäer die auch heute noch bevölkerungsreichsten Regionen Australiens an den Küsten im Südosten und im Tal des Murray Rivers auf. Es gab jedoch über den ganzen Kontinent verteilt Stämme, die in allen Fällen ihre Lebens- und Essgewohnheiten, Technologien und Jagdmethoden an die jeweilige Umgebung angepasst hatten, ganz gleich ob es das kalte und feuchte Hochland Tasmaniens oder das trockene und heiße Innere des Kontinents war. Unterschiede in der Lebensweise gab es in Einzelfällen durchaus, beispielsweise beherrschten die Gunditjmara ein ausgeklügeltes System einer Aquakultur und Aalzüchtung, sie bauten auch steinerne Wohnstätten und hatten einen festen Wohnort. Es gab auch einen seefahrenden Stamm der Ngaro, der weitestgehend unbekannt geblieben ist. Dieser Stamm lebte im Seegebiet der Whitsunday Islands und navigierte und jagte mit Auslegerkanus sicher auf der See. Ernährung Alle Ureinwohner Australiens waren Jäger und Sammler, wobei die Menschen, die an der Küste oder an Flüssen lebten, auch Fischer waren, die auch Schildkröten und im tropischen Norden Dugong fingen. Alle Stämme und Gemeinschaften der Aborigines benutzten und verwalteten ihre Nahrungsquellen und Vorräte nach unterschiedlichen, ausgeklügelten Methoden; Ackerbau betrieben sie hingegen nicht. Im heutigen Victoria gab es zwei verschiedene Stämme, die wirtschaftliche Aal-Farmen betrieben. Sie verwendeten komplexe und ausgedehnte Systeme mit bewässerten Teichen; eines am Murray River im Norden des Staates und eines im Südwesten in der Nähe von Hamilton, von wo aus sie bis in die Region um Melbourne Handel betrieben. Aber auch im Gebiet des heutigen Sydney entwickelte sich eine große Anbau- und Handelsstätte. Die typische Nahrung, das Bush Food, bestand aus einer Vielfalt von Nahrungsmitteln, zum Beispiel Känguru, Emu, Wombat, Goanna, Schlangen, Vögeln, vor allem in den Wüsten auch viele Insekten wie Honig-Ameisen oder Witchetty-Maden und an den Küsten Muscheln und Krebstiere. Daneben wurden auch noch viele Varianten pflanzlicher Nahrung wie Nüsse, Obst und Beeren genutzt. In den Wüstengebieten zum Beispiel die Buschbanane (Marsdenia australis) und die Bush-tomato (Solanum centrale), im tropischen Norden die Buschpflaume (Terminalia ferdinandiana). Das primäre Werkzeug, das zur Jagd benutzt wurde, war der Speer, der mittels eines Woomera oder per Hand geworfen wurde. Bumerangs wurden sowohl im Norden als auch in den südlichen Wüsten benutzt, wobei die nicht-zurückkehrende Variante (bekannter unter der korrekten Bezeichnung Wurfstock) effektiver und weiter verbreitet war als die zurückkehrende. Mit ihr konnten zum Beispiel Kängurus getötet werden. Berichte über institutionalisierten Kannibalismus werden von wissenschaftlicher Seite als „Hörsagen, Berichte aus zweiter und dritter Hand, Übertreibungen, falsche Zitierungen und absichtliche Lügen“ bezeichnet. Es seien Begräbnisrituale missinterpretiert worden, aber auch Berichte über Kannibalismus gezielt in Umlauf gesetzt worden, um Aborigines als Wilde zu diskreditieren, denen man die Menschenrechte verwehren und das Land abnehmen könne. Nomadenleben In einigen Gebieten lebten die Aborigines halb-sesshaft, vor allem in weniger trockenen Gebieten, wo durch Fischerei eine sesshaftere Lebensweise möglich war. Weiterhin waren die meisten indigenen Stämme semi-nomadisch und zogen in einem regelmäßigen Rhythmus durch ein bestimmtes Gebiet, in dem sie ihren Nahrungsquellen folgten und sich immer wieder zur gleichen Zeit am gleichen Ort niederließen. Durch Untersuchungen von Abfallansammlungen konnten Archäologen zeigen, dass manche dieser Plätze über tausende Jahre hinweg jährlich besucht wurden. In den trockenen Gebieten waren die Aborigines ausschließlich Nomaden, die auf Nahrungssuche über weite Gebiete zogen. Sie wohnten in einfachen Hütten oder unter Windschirmen, die aus Zweigen oder Rinde aufgebaut waren. Feste Hütten aus Zweigen, Baumrinde, Gras und Schilf wurden nur bei längerem Aufenthalt erbaut. Die Lager durften von Angehörigen anderer Stämme nicht betreten werden, es sei denn, sie wurden eingeladen. Wurde ein Bote zu einem anderen Stamm geschickt, musste er in einiger Entfernung warten, bis er die Erlaubnis erhielt, näher zu kommen. Einige Aborigines hielten Dingos als Begleittiere, um sie bei der Jagd zu nutzen oder sich während kalter Nächte an ihnen zu wärmen. Die indigenen Völker Australiens benutzten Feuer für verschiedene Zwecke. Zum einen, um das Wachstum essbarer Pflanzen oder von Tierfutter zu begünstigen, zum anderen aber auch, um das Risiko für Buschfeuer zu reduzieren, Reisen zu erleichtern, Seuchen auszurotten, für zeremonielle Zwecke oder aber auch, um „das Land aufzuräumen“. Es gibt große Meinungsverschiedenheiten, inwieweit das zur Veränderung der Umwelt beigetragen hat. Initiation Die Initiation wurde in mehreren Stufen über mehrere Jahre vollzogen: Dabei lernten die Jugendlichen zum Beispiel ihr Totem kennen, unterstützt von altersgerechten Geschichten der Traumzeit und neuen Gesängen. Aber auch Strategien im Umgang mit Konflikten lernten sie. Üblicherweise im Alter von 10 bis 12 Jahren wurden heranwachsende Jungen einem ersten Initiationsritus unterzogen, der Wochen andauern konnte. Dabei wurden sie von ihren Müttern getrennt, durften nicht sprechen und nicht angesprochen werden. Vor allem in Zentralaustralien, also zum Beispiel bei Arrernte, Pitjantjatjara und Luritja ist in diesem Alter die Zirkumzision üblich. Bei diesen Völkern wird etwas im späteren jugendlichen Alter auch die Subinzision praktiziert. In einer abschließenden Initiationsstufe im Alter von 16 oder 17 Jahren wurde bei fast allen Völkern die Haut junger Männer und Frauen skarifiziert, womit sie heiratsfähig wurden. Die Narben waren je nach Volk zwei bis vier einfache nebeneinanderlaufende Linien auf der Schulter, Brust oder Bauch, die mit einem scharfen Steinmesser erstellt wurden. Als Zeichen der Initiation war es bei Völkern der Küste verbreitet, einen Zahn zu entfernen oder zu verändern, oder ein Piercing zuzufügen.
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| 14.01.2011 21:04:00 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Verwandtschaftssystem Der Schlüssel zum Verständnis ihrer Gesellschaftsstruktur liegt in ihrem komplexen Netz von Verwandtschaftsbeziehungen und deren Implikationen, das in allen Teilen Australiens in verschiedenen Formen existierte und heute noch insbesondere in Zentralaustralien besteht. Grundlage der Verwandtschaftsbeziehungen ist nicht das in westlichen Kulturen verbreitete Eskimo-System, sondern das Iroquois-System. Das Eskimo-System besteht aus einer Kernfamilie: Vater, Mutter, Bruder und Schwester. Das Iroquois-System weitet das Konzept aus; so werden alle Schwestern der Mutter ebenfalls als Mutter bezeichnet. Analog werden alle Brüder des Vaters als Väter bezeichnet. Nur wenn sich das Geschlecht in der Elterngeneration (auf mütterlicher oder väterlicher Seite) ändert, werden andere Bezeichnungen verwendet. Demnach hat man nur auf der mütterlichen Seite Onkel und nur auf der väterlichen Seite Tanten. Die Tante auf der mütterlichen Seite wird als Mutter bezeichnet und der Onkel auf der Seite des Vaters als Vater. Das System erstreckt sich weiter auf Cousins und Cousinen. Die Kinder der Schwester der Mutter (welche ebenfalls als Mutter bezeichnet wird) sind nicht Cousins/Cousinen, sondern Brüder und Schwestern. Das gilt ebenso für die Kinder des Bruders des Vaters (welcher als Vater bezeichnet wird). Demnach kann man nur Cousins/Cousinen haben, wenn sie die Kinder von den Geschwistern der Eltern sind und dabei das Geschlecht wechselt (Bruder der Mutter/Schwester des Vaters). Diese Unterscheidung ist wichtig, denn nur die als Cousin/Cousine Bezeichneten kommen als Heiratspartner in Frage. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Kreuzkusinenheirat, die auch von anderen Kulturen her bekannt ist. Das eben erläuterte System ist egozentrisch, denn es geht von einer Person (Ego) aus und entwickelt Relationen zu anderen Stammesmitgliedern. Dieses egozentrische Bild ergibt sich jedoch nur aus der Analyse des eigentlichen Verwandtschaftssystems. Dieses wird im Folgenden erläutert: Im Gegensatz zum westlichen System der Blutsverwandtschaft unterscheiden Aborigines nicht zwischen verwandt und nicht verwandt. In ihrem Sinne ist man mit allen Stammesmitgliedern verwandt. Das hier beschriebene System findet in verschiedenen Variationen bei fast allen australischen Aborigines Anwendung. So können selbst Neulinge von anderen Stämmen oder außenstehende Personen (z.B. Anthropologen oder Linguisten, die längere Zeit bei einem Stamm leben) einfach eingegliedert werden. Hat man einmal eine Position in diesem System, kann man seine Beziehung (und die dazugehörige Bezeichnung) zu jedem weiteren Mitglied des Stammes herausfinden: Der gesamte Stamm wird in 2 Moieties (von französisch moitié: Hälfte; englisch: moiety) geteilt. Diese Einteilung ist wichtig für Heiratsregeln und Rituale. So ist es verboten, eine Person derselben Moiety zu heiraten. Man heiratet immer exogam, also in die jeweils andere Moiety. Bei religiösen Ritualen fallen den Mitgliedern der beiden Moieties verschiedene Rollen zu. Hinzu kommt eine weitere Unterteilung in sogenannte skin groups (wörtlich in englisch: Hautgruppe). Skin group ist ein anthropologischer Begriff und bezeichnet keine reale Hautgruppe oder -farbe. Die meisten Stämme haben 4 skin groups (2 pro Moiety), jedoch gibt es auch viele Beispiele mit 6 oder 8 skin groups. Zur Verdeutlichung ein konkretes Beispiel: Der Stamm der östlichen Arrernte, welcher in Zentral-Australien lebt, hat ein System mit 4 skin groups. (Die nörd-östlichen Arrente haben 8 skin groups, die zentralen Arrente haben 6). Eine Person gehört demnach einer der folgenden skin groups an: Entweder den Kemarre, Perrurle, Penangke oder Peltharre. Die ersten beiden Gruppen gehören zu einer Moiety; die letzteren zur zweiten Moiety. Daraus ergeben sich folgende Heiratsregeln. Ein Kemarre-Mann heiratet eine Peltharre-Frau. Die Kinder gehören der Gruppe Perrurle an. Ein Perrurle-Mann heiratet eine Penangke-Frau. Die Kinder gehören der Gruppe Kemarre an. Ein Penangke-Mann heiratet eine Perrurle-Frau. Die Kinder gehören der Gruppe Peltharre an. Ein Peltharre-Mann heiratet eine Kemarre-Frau. Die Kinder gehören der Gruppe Penangke an. Das System ist zyklisch und wiederholt sich nach zwei Generationen. Auch bei den komplexeren Systemen mit 6 oder 8 skin groups wiederholt sich ein Zyklus nach jeder zweiten Generation. Die wirkliche Bedeutung dieses System liegt darin, dass den verschiedenen skin groups Aufgaben im Stamm zufallen. So bestimmt das System zum Beispiel: Wer geht für wen jagen? Wer erzieht welche Kinder? Wer ist Hüter der Sprache? Wer darf bestimmte Rituale ausführen und wer nicht? Wer hält die Totenzeremonie? Weiterhin gelten bestimmte Regeln, nach welchen sich die Mitglieder verhalten müssen. Zu den Regeln zählen Umgangsformen wie Abstand, Höflichkeit oder Scherze. Damit übernimmt das System der skin groups viele Funktionen, die in westlichen Gesellschaften vom politischen oder ökonomischen System bestimmt werden.
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| 14.01.2011 21:06:07 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Sprachen Es ist umstritten, wie viele Australische Sprachen es vor Ankunft der Europäer gab. Die Zahlen schwanken zwischen 200 und 300; man einigt sich meist auf etwa 250,wovon etwa die Hälfte dieser Sprachen seither ausgestorben ist. Nur noch 20 Sprachen werden heute aktiv an Kinder weitergegeben; die verbleibenden etwa 100 Sprachen haben nur noch Sprecher mittleren oder hohen Alters, das heißt, mit jeder weiteren Dekade werden einige dieser Sprachen verschwinden. Linguistisch werden die australischen Sprachen in zwei Gruppen aufgeteilt: die erste Gruppe ist viel weiter verbreitet als die zweite, die ausschließlich im Norden gesprochen wird. Die erste Gruppe wird Pama-Nyunga nach den Worten für „Mensch“ genannt, Die zweite Gruppe als Non-Pama-Nyunga, definiert. Sie bildet keine einheitliche Sprachfamilie, sondern wurde anfangs in 28 (später in 26) Sprachfamilien unterteilt. Diese Gruppe stellt 90% der sprachlichen Vielfalt auf 1/8 des Kontinents dar. Im Norden Australiens hat sich aus dem Kontakt zwischen weißen Siedlern und den Aborigines auf der englischen Sprache basierend eine Kreolsprache, das Kriol entwickelt, das heute noch von rund 4000 Menschen gesprochen wird. Die große Mehrheit (86%) spricht ausschließlich australisches Englisch, wobei es dort auch die Variante des Aborigine-Englisch gibt. Musik Die traditionelle Musik ist ganzheitlicher Bestandteil der traditionellen Kunst Australiens, daher treffen auf sie dieselben Konzepte und Gesetze zu wie auf die bildende Kunst. Auch hier gibt es eine »innere« und eine »äußere« Ebene (s.o.). Die Musik ist im Besitz einer bestimmten Person oder einer Gruppe und transportiert u.a. Verpflichtungen und Inhalte der Stammesgesetze und dient der Kommunikation historischer oder mythologischer Geschichten oder Erlebnisse, die damit in Verbindung stehen. Die Musik ist darüber hinaus auch an geografische Gegebenheiten gebunden, die durch mythologische Ereignisse miteinander in Verbindung stehen ("Songline"). Das wichtigste musikalische Element der traditionellen australischen Musik sind dabei die Gesänge, die einzeln oder mit mehreren Beteiligten durchgeführt werden. Sie werden angeleitet von einem oder mehreren "Songmen" oder "-women", die Verantwortung für die korrekte rituelle Durchführung haben und Besitzer bzw. Hüter der jeweiligen Form oder des Inhaltes sind. Einzelne Lieder haben selten eine Länge von mehr als drei Minuten, sind jedoch oft eingebunden in längere Gesangszyklen (Zeremonien). Gesänge decken das gesamte Bedeutungsspektrum von persönlichen Erzählungen und Vergnügungsliedern bis hin zu hoch spirituellen Ritualen ab, die der Aufrechterhaltung der Totemidentität dienen. Zu den Liedern wird gelegentlich auch der Rhythmus geklatscht, dabei auch mit den hohlen Händen auf ein Stück Fell (früher) oder ein Kleidungsstück (heute) im Schoß, oder auf das Gesäß. Schlaginstrumente finden sich in Form der clap sticks (kurze Hartholzstöcke), die den Grundrhythmus angeben, aber auch Bumerangs werden dazu benutzt, die paarweise gegeneinander geschlagen werden. Authentisches Yidaki (Didgeridoo) aus Nord-Ost-Arnhemland, hergestellt von Mirarra Burarrwanga Die nordaustralischen Aborigines, vor allem im Arnhemland und in den Kimberleys, spielen das Yidaki (Didgeridoo), ein Blasinstrument aus der Familie der Aerophone mit obertonreichem Klang und Tonlagen zwischen Tenor und Bass. Zumeist wird es aus dem Holz des von Termiten ausgehöhlten schwarzen oder gelben »Woolybutt« (Eucalyptus miniata) oder des »Stringybark« (Eucalyptus tetrodonta) gefertigt, der in den tropischen Gebieten vorkommt. Meist dient das Yidaki als Rhythmusinstrument für die Gesänge bei Zeremonien. Es wird traditionell nur selten als Soloinstrument eingesetzt, auch wenn den Touristen oft das Bild vermittelt wird, das das Yidaki hauptsächlich dem Erzählen von Geschichten dient. Seit den 1960er Jahren hat sich die Verwendung dieses Instrumentes über Australien verbreitet und wird von vielen Aborigines auch außerhalb des Ursprungsgebietes als Symbol ihrer traditionellen Identität aufgefasst. Im nördlichen Queensland wird für bestimmte rituelle Zwecke eine Trommel aus einem mit Tierhaut bespannten hohlen Eukalyptusstück gespielt (Ubar), die, ähnlich wie die Schlagstöcke, nur das Zeitmaß begleitet. Ihre Verwendung ist stark zurückgegangen. Die Musik Gumleaf (Gummiblatt) wird mit einem einfachen Musikinstrument erzeugt. Es entstehen spezielle Töne, wie auch Vogelstimmen. Die Musiker führen dabei ein Eukalyptusblatt) an den Mund und durch Luftstöße werden Töne erzeugt. Gumleaf ist traditionell eine Musik der Aborigines, aber es gibt aber auch seit der britischen Kolonisation auch Weiße, die diese Musik beherrschen. Gelegentlich ist der Gebrauch von Flöten oder Pfeifen aus hohlen Halmen dokumentiert, die aber keine musikalische Funktion erfüllen und eher Signalcharakter haben. Das Bora-Bora (Schwirrholz oder Bull-Roarer) ist als Werkzeug spiritueller Wahrnehmungstechniken für Initiationen einzustufen. Ein weiterer integraler Bestandteil traditioneller Musik ist der Tanz. Einzelne Tänzer oder Gruppen versinnbildlichen mit ihren Bewegungsmustern die mit den Gesängen vermittelten Inhalte. Dabei stehen Tänzer und Musiker in ständigem Kontakt, die Musik liefert ganz bestimmte Schlüsselsignale für bestimmte Tanzschritte und dynamische Entwicklungen.
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| 14.01.2011 21:08:32 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Heilkünste In dem Buch „Traumfänger“ von Marlo Morgan, einer Amerikanerin, die ein 3-monatiges Walkabout der Aborigines miterlebt hat, wird erzählt: Ein Aborigine ist in einen Abgrund gestürzt. Einige Aborigines aus dem Stamm rannten hinunter und trugen ihn flink hoch. Er hatte sich zwischen Knie und Fußgelenk einen komplizierten Bruch zugelegt. Der Medizinmann und die Heilerin traten hervor, um ihn zu heilen. Der Medizinmann legte seine Hand um das Fußgelenk des verletzten Beines, ohne es zu berühren. Die Heilerin tat das Gleiche am Knie. Ihr Gebet war eine Mischung aus kunstgerechten Vorträgen und Gesängen, wobei kein Ton dem anderen glich. Völlig unvermittelt erhaben plötzlich alle drei einen Schrei. In diesem Moment müssen sie kräftig gezogen haben. Der Knochen glitt an die Stelle zurück, aus der er ausgebrochen war. Der Medizinmann hielt die verletzte Haut zusammen und nickte der Heilerin zu, die ein seltsames Rohr öffnete. Sie drückte aus dem Rohr etwas heraus, das wie schwarzer Teer aussah. Sie verklebte damit die Hautfetzen der Wunde. Großzügig verteilte sie die Masse über das ganze Bein und betonierte die Wunde regelrecht zu. Am nächsten Tag konnte der Aborigine ohne zu humpeln wieder mit der Gruppe weiterziehen. Es gibt viele Büsche, aus deren Blättern die Stammesmitglieder Öle zur Behandlung von bakteriellen Erkrankungen gewinnen. Latex, eine Flüssigkeit, gewonnen von besonderen Pflanzen, eignet sich gut zur Entfernung von Warzen, Hühneraugen und Hautschwielen. Es weiteren gibt es einen kleinen Baum, der viele Eigenschaften des Aspirins hat. Aus seiner Rinde gewinnt man einen Stoff, der bei inneren Beschwerden genommen und auch als Schmerzmittel bei Verstauchungen oder Brüchen, bei leichteren Muskel- und Gelenkbeschwerden und bei Hautverletzungen eingesetzt wird. Eine andere Baumrinde wird verwendet bei Durchfallerkrankungen, Hustensaft wird hergestellt, indem man das Harz bestimmter Bäume in Wasser auflöst. Religionen In den Traditionen der Völker der Aborigines steht die Traumzeit (englisch: dreaming oder dreamtime) im Zentrum ihres spirituellen Denkens. Die Geschichten der Traumzeit beschreiben die Zeit der Schöpfung, die Ahnengeister wie den Byamee, die Regenbogenschlange oder das Große Känguru, die das Land, die Pflanzen und Lebewesen formten. Ein bekanntes Beispiel ist der Uluru-Mythos, der Teil des Tjukurpa ist, die Bezeichnung für Traumzeit in der Sprache der Pitjantjatjara. Zahlreiche Felsmalereien, Schnitzkunstwerke und Tänze zeigen die Wesen der Traumzeit und stammen in der Vorstellung der meisten Stämmen ursprünglich von diesen. Außerdem wird traditionelles Wissen über das Land über Traumzeit-Geschichten weitergegeben. Beispielsweise sind die Songlines Beschreibungen über das Land und sie sind Orientierungshilfen beim Walkabout. Des Weiteren sind die Gesetze, das Moralsystem und das Verwandtschaftssytem Teil der Traumzeit. Nicht alle Geschichten der Traumzeit sind jedem zugänglich: Kinder hören einfache Versionen; diese sind auch an Außenstehende weitergegeben worden. Andere Geschichten sind nur für Frauen oder nur für Männer, die meisten für initiierte und einige ausschließlich für die Älteren (englisch: elder), den respektierten Autoritäten. Wenn auch oft der Inhalt von Songlines und die Bedeutung bestimmter Stellen und Totems nicht immer bekannt ist, so ist doch ausführlich beschrieben, nach welchen Kriterien Verantwortung und „Eigentum“ vergeben werden. In den meisten Stämmen ist der Ort der ersten gefühlten Kindesbewegung im Mutterleib (seltener die Geburt selbst) bestimmend dafür, welches mit dem Ort assoziiertes Totem jemand bekommt.
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| 14.01.2011 21:09:41 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Traumzeit / Dreamtime In der Mythologie der Aborigines die Zeit der Schöpfung, in der die bekannte Landschaft Gestalt annahm und alles Leben seinen Ursprung nahm als Traumzeit oder Dreamtime bezeichnet. Die Überlieferungen der australischen Ureinwohner beschreiben im Allgemeinen nicht die Entstehung des Kosmos selbst, denn Himmel und Erde sollen schon immer existiert haben. Es gibt jedoch eine außergewöhnlich reiche Überlieferung von „Schöpfungsmythen" über alle Aspekte der natürlichen und sozialen Umgebung, die sich in der Traumzeit herausgebildet haben sollen. Mythen Wie das Land entstand Zu Anbeginn gab es nur das große Salzwasser. Aus den Tiefen stieg Ungud, die Regenbogenschlange, empor. Steil richtete sie sich auf und warf ihren Bumerang in einem weiten Umkreis über das Meer. Mehrmals berührte der Bumerang auf seinem Flug die Fläche des Salzwassers, und dort schäumte das Wasser auf, und glattes, ebenes Land kam zum Vorschein. Ungud wanderte über dieses neue, weiche Land und legte viele Eier, aus denen neue Urzeitwesen schlüpften. Es waren die Wondjina, und sie wanderten in alle Richtungen.
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| 14.01.2011 21:11:19 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Schöpfungsmythen: Wie die ersten Männer entstanden Vor langer Zeit war Pund-jel der große Schöpfergeist. Er schuf alle Dinge auf der Erde und alle Lebewesen, außer den Frauen. Er trug immer ein großes Steinmesser bei sich, und als er die Erde schuf, zerschnitt er sie an vielen Stellen, so daß sich Berge, Täler und Wasserläufe bildeten. Dann schnitt er mit seinem Messer drei größere Rindenstücke. Auf das erste legte er feuchten Ton, den er so lange bearbeitete, bis er glatt und formbar wurde. Dann schnitt er den Ton in zwei gleich große Stücke und trug die eine Hälfte zu dem zweiten Rindenstück, auf dem er die Tonmasse zu kneten und in die Form eines Mannes zu verwandeln begann. Erst formte er Füße, dann Beine, Rumpf, Arme und schließlich den Kopf. Danach schuf er den Körper eines zweiten Mannes auf dem dritten Rindenstück. Als er seine Arbeit beendet hatte, betrachtete er die beiden Männer lange Zeit und war so zufrieden mit seinem Werk, daß er im Kreis um sie herumtanzte. Als nächstes zog er faserige Rinde von einem Eukalyptusbaum ab und legte jedem Mann einen Haarschopf auf den Kopf - dem einen Mann gab er glattes und dem anderen gelocktes Haar. Wieder war er mit seiner Geschöpfen so zufrieden, daß er zu tanzen anfing. Dem Mann mit glattem Haar gab er den Namen Ber-rook-Boorn, den gelockten Mann nannte er Koo-Kin-Ber-rok. Nachdem er die Körper der bei den Gestalten noch einmal von Kopf bis Fuß geglättet hatte, legte er sich auf den Körper eines jeder Mannes und flößte ihnen seinen Atem ein durch Mund, Nase und Nabel. Die beiden Männer begannen zu atmen und sich zu bewegen. Pund-jel tanzte ein drittes Mal um sie herum. Dann schenkte er ihnen die Gabe der Sprache und befahl ihnen aufzustehen. Und so standen sie auf als erwachsene Männer. Zu Anbeginn gab es nur das große Salzwasser. Aus den Tiefen stieg Ungud, die Regenbogenschlange, empor. Steil richtete sie sich auf und warf ihren Bumerang in einem weiten Umkreis über das Meer. Mehrmals berührte der Bumerang auf seinem Flug die Fläche des Salzwassers, und dort schäumte das Wasser auf, und glattes, ebenes Land kam zum Vorschein. Ungud wanderte über dieses neue, weiche Land und legte viele Eier, aus denen neue Urzeitwesen schlüpften. Es waren die Wondjina, und sie wanderten in alle Richtungen. Wie die ersten Känguruhs entstanden Craitbuls Söhne vertrieben sich die Zeit damit, eine sonderbare Figur aus Baumrinde herzustellen. Sie gaben der Figur große Ohren, kurze Arme, sehr große Beine und einen starken langen Schwanz. Als Craitbul die Rindenfigur sah, gefiel sie ihm so gut, daß er in sie hinein atmete und ihr damit Leben verlieh. Da war das erste Känguruh geschaffen. Es war- ein männliches Känguruh. Craitbuls Söhne fertigten eine zweite Tierfigur aus Baumrinde, und Craitbul hauchte auch ihr Leben ein. Sie war das erste weibliche Känguruh. Die beiden Känguruhahnen vermehrten sich schnell, und die Känguruhs waren zahm und wohlgenährt. Craitbut und seine Söhne konnten sie mit den Händen fangen, und ihre Familie hatte immer ausreichend und gut zu essen. Eines Tages aber verstieß einer von Craitbuls Söhnen gegen das Gebot, daß alle Nahrung mit jedermann geteilt werden sollte. Er hatte ein Känguruhbein gestohlen und es in einem Baum versteckt, um es später allein zu essen. Von dieser Tat war Craitbul so entsetzt, daß er einen gewaltigen Sturm heraufbeschwor, der den Känguruhs einen solchen Schreck einjagte, daß sie über das ganze Land flüchteten und bis zum heutigen Tag ihre Furcht und Scheu nicht verloren haben. Craitbuls Söhne verfolgten die Känguruhs bis zum Glenelg River. Dort ließen sie sich nieder und wuchsen zu Männern heran. Gegen Ende der Traumzeit versammelte sich Craitbuls Familie, um die Erde zu verlassen. Sie setzten sich auf Craitbuls Speer - Craitbuls Frau nahe der Speerspitze, Craitbuls Söhne in der Mitte und Craitbul selbst an das Ende. Dann flogen sie auf dem Speer hinauf in den Himmel und verwandelten sich in leuchtende Sterne. Wie Eingana die Lebewesen schuf Jene erste Zeit, die Urzeit, nennen wir Bieingana. Das Urwesen nennen wir Eingana.Wir nennen Eingana unsere Mutter. Eingana schuf alles: Wasser, Steine, Bäume, Menschen. Sie schuf alle Vögel. Fliegende Hunde, Känguruhs und Emus. Eingana war schwanger, mit allem Leben in jener Urzeit. Eingana ist die Urschlange. Sie verschlang alle Menschen. iI ihrem Schoß nahm sie sie mit sich in das Wassen. Dann tauchte sie aus dem Wasser auf und war hochschwanger mit allem Leben in ihr. Sie tauchte in Gaieingung auf, in der grossen Wasserstelle bei Bamboo Ceck. Eingana wälzte sich auf dem Boden.. Sie stöhnte und schrie, sie schrie laut vor Schmerz in ihren Wehen, weil sie all die Menschen, alle Lebewesen in sich trug. Ein alter Mann, Barraiya, war lange Zeit über Land gewandert. All die Zeit hatte er Einganas Schreie vernommen und ihr Stöhnen. Barraiya schlich sich in ihre Nähe; er erblickte Eingana. Er sah, wie sich die Riesenschlange stöhnend und schreiend herumwälzte. Barraiya legte seinen Speer in die Speerschleuder. Er beobachtete die Riesenschlange. Er sah die Stelle, in die er seinen Speer schleudern,. mußte. Er schleuderte seinen Speer in ihren Unterleib. Alles Blut floß aus der Speerwunde, und alle Menschen kamen nach dem Blut zum Vorschein. Kandagun, der Dingo, verjagte die Menschen. Er vertrieb sie und teilte sie in verschiedene Stämme mit verschiedenen Sprachen auf. Als Kandagun die Menschen verjagte, flogen. einige als Vögel davon, andere suchten als Känguruhs das Weite, wieder andere rannten als Emus auf und davon, oder sie verwandelten sich in Fliegende Hunde, Ameisenigel, Schlangen und andere Tiere - alles, um Kandagun zu entkommen. Zu Anbeginn jedoch, bevor Barraiya seinen Speer in Eingana schleuderte, konnte kein Lebewesen auf normalem Wege geboren werden. Eingana mußte alles aus ihrem Mund speien. Menschen mußten alles ausspeien. Kinder konnten nicht wie heute geboren werden. Deshalb mußte Barraiya Eingana durchbohren. Der alte Mann Barraiya war von Osten nach Westen gewandert. Nachdem er Eingana durchbohrt hatte, kehrte er zu seiner Stätte Barralyawim zurück. Dort malte er seine Gestalt auf einen Felsen. Dann verwandelte er sich in einen blaugeflügelten Königsfischer. Eingana schuf den großen Boolmoon River, den Flying-Fox River und den Roper River. Sie schuf alle Flüsse. Nun haben wir Wasser. Deshalb sind wir am Leben. Eingana schuf Bolong, die Regenbogenschlange. Ganz am Anfang, als Eingana Menschen verschlang, spie sie sie als Vögel wieder aus, als Bonorong, den Kranich, als Janaran, den Storch, als Baruk, den Kormoran. Eingana spie Menschen aus, und sie verwandelten sich in Koopoo, das Känguruh, in Kandagun, den Dingo, in Galwan, den Waran, in Nabininbulgai, den Fliegenden Hund. All diese Vögel und Tiere, all diese Dinge nahm Eingana wieder in sich auf. Sie sprach.- «Es ist mein Wille, daß ihr mir alle gehorcht und meine Weisungen einhaltet.» Eingana nahm sie Alle wieder in sich auf. Eingana verschlang sie nochmals. Sie entließ sie in das Wasser als Schlange., als Bolong, die Regenbogenschlange. Niemand kann Eingana sehen. Sie hält sich in der Wassermitte auf. Dort ist ihre Höhle. In der Regenzeit, wenn das Hochwasser ansteigt, erhebt sich Eingana inmitten des Hochwassers. Eingana läßt ihren Blick über das Land streifen. Sie setzt alle Vögel, Schlagen, Tiere und unsere Kinder frei; Eingana entläßt all diese Dinge aus ihrem Leib. Eingana läßt sich auf dem Hochwasser entlang treiben. Sie erhebt sich und blickt über das Land. Sie setzt alle Art von Leben frei, das in ihr wohnt. Wenn das Hochwasser absinkt, kehrt Eingana in ihr Lager zurück. Sie taucht nicht mehr auf. Sie kehrt nicht zurück - sei es kalt oder warm. Erst in der kommenden Regenzeit kehrt sie zurück und setzt wieder alle Lebewesen frei: Schlange, Vögel, Dingos, Känguruhs, Menschen, alles. Eingana hält das Ende einer Schnur aus einer Sehne, die Toon heißt. Das andere Ende dieser Schnur ist an der großen Sehne über der Ferse eines jeden Lebewesens befestigt. Eingana hält diese Schnur zu allen Zeiten, weshalb wir sie unsere Mutter nennen. Erst wenn wir sterben, lässt Eingana diese Schur los. Wenn ich sterbe, sterbe ich für alle Zeit. Mein Lebensgeist Malikngor folgt dem Weg Bolongs. Malikgnor kehrt in mein Stammesland zurück, dorthin, wo ich geboren wurde. Jedermanns Lebensgeist tut dies.
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| 14.01.2011 21:12:51 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Woher die Kinder kommen Die Seelenkinder Pitipitui existieren schon seit Anbeginn. In ihnen wohnt die Lebenskraft, die sie später zu echten Menschenkindern verwandelt. Die Pitipitui wohnen in Totemplätzen, wo sie auf einen Vater warten, der sie zu ihrer zukünftigen Mutter bringen wird, in deren Leib sie dann zu einem Kind aus Fleisch und Blut heranwachsen. In der Urzeit brachte Purukupali seinen beiden Schwestern Seelenkinder, und später brachte er Seelenkinder zu seiner Gattin Bima mit dem Auftrag, sie an die anderen Frauen im Land zu verteilen. Bevor Purukupali in seinen Tod ging, verkündete er den Pitipituis, daß sie von nun an von einem Vater zu ihren Müttern getragen werden sollten. Sie erscheinen dann ihrem zukünftigen Vater in einem Traum und bitten ihn, ihnen eine Mutter zu geben, wenn er sich in der Nähe einer ihrer Totemstätten aufgehalten hat. Der Vater trägt das unsichtbare Pitipitui auf seinen Schultern zu seinem Lager, wo er seiner Frau verkündet, daß sie ein Kind bekommen wird, und das Seelenkind dringt heimlich in den Leib seiner Mutter ein, wo es zu einem Menschenkind heranwächst. Wie die Menschen das Feuer erhielten Vor vielen Jahren kam eine Gruppe von Vorzeitwesen aus dem Himmel, die teils Mensch-, teils Tiergestalt besaßen. Sie stiegen durch die Äste sehr hoher Eukalyptusbäume auf die Erde herab, um sich mit den Nachtgeistern zu treffen, die sich tagsüber in leblosen Gegenständen aufhalten. Diese Wesen brachten ein Feuerholz mit sich, und als sie die Erde erreichten, zündeten sie damit ein Lagerfeuer an, um Larven zu rösten, die sie auf ihrem Abstieg in den Bäumen gefunden hatten. Während sie ihre Mahlzeit aßen, wurden sie von den Geistern gerufen und in eine Höhle geführt. Nachdem sie fortgegangen waren, entschloß sich das unbeaufsichtigte Feuer, seiner eigenen Wege zu gehen. Es war heiterer Stimmung und hatte nichts als Unfug im Sinn, und so setzte es einen großen Brand in Gang, der den ganzen Wald mit all den riesigen Eukalyptusbäumen niederbrannte. Zu spät bemerkten die Vorzeitwesen den Brand, zu spät riefen sie das Feuer zurück. Die Menschen, die zuvor kein Feuer kannten, waren herbeigeeilt, um Feuerbrände zu sammeln und in ihre Lager zurückzutragen, wo sie die Feuer sorgsam mit trockenem Gras und Zweigen am Leben hielten. Die Nachtgeister und deren Besucher waren darüber sehr aufgebracht. Von nun an ließen sie ihre Feuerhölzer nie wieder unbeobachtet liegen. Und die Menschen haben seit dem Tag des großen Brandes ihre Feuer stets gehütet und in Ehren gehalten. Wie Mutter Sonne die Welt zum Leben erweckte Einst lagen Finsternis und Stille über der Erde, und nichts regte sich auf ihrer öden Oberfläche. In einer tiefen Höhle unter der Nullarbor-Ebene schlief eine wunderschöne Frau, die Sonne. Der mächtige All-Vater weckte sie sanft und gebot ihr, aus ihrer Höhle zu steigen und die Welt zum Leben zu erwecken. Mutter Sonne schlug ihre Augen auf, und die Finsternis verschwand, als ihr strahlender Blick über die Erde glitt. Sie holte tief Atem, und die Luft veränderte sich und erzitterte, und ein milder Wind wehte über das Land. Mutter Sonne begab sich auf eine lange Wanderung von Ost nach West und von Nord nach Süd. Sie wanderte über das öde Land, und überall, wo ihre sanften Strahlen die Erde berührten, kamen Gräser, Büsche und Bäume zum Vorschein, bis das nackte Land mit einem Pflanzenkleid bedeckt war. In den dunklen Erdlöchern und Erdhöhlen fand Mutter Sonne Lebewesen, die wie sie selbst dort seit undenklicher Zeit in tiefem Schlaf gelegen hatten. Sie weckte die Insekten und sandte sie in die Gräser und in die Bäume und Büsche. Dann weckte sie die Schlangen und Eidechsen und alle anderen Reptilien, und sie krochen aus ihren Erdlöchern und belebten die Erde, In der Spur der Schlangen bildeten sich Wasser. läute, in deren Wasser sich die Fische und die anderen Wasserlebewesen verbreiteten. Dann rief die Sonne die übrigen Tiere ins Leben, und sie verteilten sich über die Erde und bevölkerten sie. Dann sprach Mutter Sonne zu ihnen und erklärte, dass sich die Zeiten des Jahres von kalt in heiß und vor feucht in trocken verändern würden und schuf so die Jahreszeiten. Dann wanderte sie den Himmel entlang weit hinüber in den Westen, der Himmel färbte sich rot und die Sonne verschwand aus der Sicht der Tiere. Als sich die Finsternis wieder über die Erde legte verbreiteten sich Furcht und Schrecken unter aller Lebewesen, und sie versammelten sich und kauerten eng aneinander in ihrer großen Angst. Doch dann färbte sich der Himmel rot, und die Sonne stieg im Osten wieder in den Himmel. Und von nun an schenkte die Sonne täglich den Lebewesen auf der Erde eine Zeit des Lichtes, in der sie ihrer Angelegenheiten nachgehen konnten, und eine Zeit der Dunkelheit, in der sie sich von der Anstrengungen des hellen Tages erholen und ruhen konnten.
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| 14.01.2011 21:14:36 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Wie die ersten Frauen geschaffen wurden Pund-jel hatte eine Frau, deren Gesicht er nie gesehen hatte, und einen Sohn Bin-beal. Pund- jel besaß auch einen Bruder Pal-ly-yan. Pal-ly-yan besitzt absolute Macht über alle Gewässer. Er ist Herr über Flüsse, Bäche und Seen, und auch das Meer ist ihm untertan. Er beherrscht alle Lebewesen des Wassers, und am liebsten vertreibt er sich die Zeit mit Schwimmen und Tauchen. Eines Tages vergnügte sich Pal-ly-yan auf diese Weise in einer sehr tiefen Wasserstelle. Er schlug übermütig mit flachen Händen auf die Wasseroberfläche, bis sich das Wasser zu trüben begann. Er wirbelte dabei so viel Schlamm auf, bis das Wasser undurchsichtig wurde und sich die Wasserstelle in ein Schlammloch verwandelte. Zwar konnte Pal-ly-yan nicht mehr erkennen, was sich unter der Oberfläche des Schlamms befand, doch glaubte er, darin etwas erkannt zu haben. Als er vorsichtig mit einem Zweig den Schlamm teilte, erkannt er ein Paar Hände, wie sie Pund-jel seinen Männern geformt hatte. Da holte sich Pal-ly-yai einen starken gekrümmten Ast, mit dem er den Schlamm tiefer teilte, worauf zwei Köpfe auftauchten, die den Köpfen von Pund-jels Männern ähnelten. Mit dem gekrümmten Ast fischte Pal-ly-yan die beiden Gestalten aus dem Schlamm und sah, dass es zwei junge Frauen waren, denen er die Namen Ko-ner-warra und Ku-ur-rook gab. Er brachte sie zu Pund-jel, der sie Ber-rook-Boorn und Koo-kin-Ber- rok, den beiden von ihm geschaffenen Männern, zur Frau gab. Dann gab er jedem Mann einen Speer, und Pal-ly-yan gab jeder Frau einen Grabstock. Er bestimmte, daß sie in Frieden miteinander leben sollten. Er befahl den Männern, ihre Speere in der Jagd auf Känguruhs und Emus zu benutzen, und den Frauen sagte er, daß sie mit ihren Stöcken nach Nahrung graben sollten. Drei Tage lang blieben Pund-jel und Pal-ly-yan bei den beiden Paaren, unterwiesen die Männer in der Jagd und zeigten den Frauen, wo sie nach Wurzeln graben sollten. Am dritten Tag, als sie sich alle niedergesetzt hatten, kam ein großer Sturm auf, und Pund-jel und Pal-Iy-yan entschwanden in einem großen Wirbelsturm. Warum der Mensch geschaffen wurde Einige Zeit, nachdem die Sonne die Tiere geschaffen hatte, begannen diese über die Formen und Eigenarten anderer zu spotten, was großen Ärger, heftige Streitereien und erbitterte Kämpfe zur Folge hatte. Schließlich begannen die einzelnen Tierfamilien einander zu töten. Voll Kummer und Gram blickte die Sonnenmutter auf die Erde hinab und sah, wie die Geschöpfe, die das Licht und die Wärme ihrer Strahlen ins Leben gerufen hatte, sich gegenseitig vernichten wollten. Sie rief den weisen Rat des großen All-Vaters zu Hilfe. "Ich glaubte, einen Plan ins Werk gesetzt zu haben, der alles Leben auf Erden ordnet und regelt. Doch unter den Pelztieren, den Vögeln, den Echsen und den Fischen fehlt eine ordnende Vernunft. Wir müssen ein Wesen erfinden, das sie alle zu der ursprünglichen Ordnung zurückführt.» Dann beschlossen Sonnenmutter und All-Vater, den Menschen als Wächter dieser Ordnung einzusetzen. Daraufhin kehrte die Sonne ein letztes Mal auf die Erde zurück und befahl den Winden, in alle Richtungen zu wehen und den Lebewesen ihre Ankunft zu verkünden. Die Winde gehorchten ihr und wirbelten und fegten in alle Himmelsrichtungen davon. Sie tobten über das Meer und warfen gewaltige Wogen auf. Sie stürmten über die Berge und schleuderten Steine und Felsbrocken herum. Furcht und Schrecken verbreiteten sie unter den Tieren, die zusammenliefen, um sich eine Zufluchtsstätte zu suchen, Sie versammelten sich in einer großen Höhle, wo sie vor den tobenden Stürmen sicher waren. Die Sonne ging unter, und die Stürme ließen nach. Zitternd vor Angst kauerten die Tiere in der Höhle. Als die Sonne am folgenden Morgen ihr Licht über die Erde wandern ließ, war kein Laut zu vernehmen. Die Tiere blieben in der Höhle, stumm und reglos vor Furcht. Da näherte sich der Höhle ein heller Lichtschein. Ein alter Waran kroch zum Höhleneingang und schaute vorsichtig nach draußen. «Was siehst du?» fragten die anderen Tiere. «Ich sehe etwas Wundersames, ein leuchtendes Ungeheuer mit einem riesigen Auge. Es ist so groß wie der Mond.» Dann sagte der Waran zum Adler. «Schau du es dir an und sag uns, was dusiehst. Der Adler blickte hinaus und erklärte: «Ich sehe eine Gestalt, die etwas größer ist als ein Känguruh. Ihre Augen sind kleiner als die des Warans, aber sie leuchten hell, so hell, daß ich unter ihrem Blick zittere! » Nun bat der Adler den Raben hinauszublicken, doch der Rabe fürchtete sich zu sehr vor dem Ungeheuer und erfand eine Ausrede. Da verspottete ihn der Königsfischer und lachte ihn aus. Jeder wußte, daß der Rabe einer der besten Krieger war, und so wunderten sich alle sehr, daß er nicht den Mut hatte, hinauszuschauen und auch den Königsfischer nicht angriff, der ihn einen Feigling genannt hatte. Nach und nach jedoch warfen alle Tiere einen scheuen Blick auf das fremdartige und ehrfurchtgebietende Wesen, das vor ihrer Höhle den blendenden Lichtglanz ausströmte. Niemand konnte es deuten. Drei Tage lang blieben die Tiere in der Höhle. Drei Tage lang wuchsen in ihnen Hunger und Durst. Dann fielen die Starken über die Schwachen her und aßen ihr Fleisch und tranken ihr Blut. Da trat das Lichtwesen in den Eingang der Höhle und rief die Bachstelzen zu sich. «Geht in die Höhle und verkündet allen Lebewesen, daß sie sich zu einem Berg begeben sollen, um zu erfahren, wer ich bin!» Die Tiere folgten dem Gebot traten aus der Höhle, sammelten Nahrung und begaben sich zu dem Berg. Da sahen sie, daß sich im Westen, Osten, Norden und Süden vier Säulen erhoben, die wie hohe Rauchfahnen aussahen. Dann begannen die Säulen sich zu drehen und im Kreis über die Ebene auf sie zuzuwirbeln. Näher und näher kamen sie an den Berg heran. Neue Furcht und neuer Schrecken verbreiteten sich unter den Tieren, aber die Bachstelze beruhigte sie: «Fürchtet euch nicht. Es ist der Urvater der Menschen, der sich nähert.» Die vier umherwirbelnden Säulen näherten sich einander und vereinigten sich schließlich zu einer mächtigen Säule, die eine Zeitlang stillstand. Sie sah nun wie eine Wassersäule aus, die langsam niedriger und niedriger wurde. Dann näherte sie sich dem Berggipfel. Auf dem Gipfel angelangt, nahm sie die Form eines riesigen Pilzes an. Ein Blitzschlag spaltete diese Form und offenbarte den Tieren die Gestalt des ersten Menschen, die der All-Vater mit seinen eigenen Gaben der Einsicht, des Verstandes, der Vernunft und der Weisheit ausgestattet hatte. So betrat der erste Mensch die Erde. Er stieg den Berg hinab und begab sich unter die Tiere, um mit ihnen zu reden. Als die Sonnenmutter sah, daß ihr Werk vollbracht war, stieg sie zurück in den Himmel. Danach kehrte sie nie wieder zur Erde zurück. Zu Anbeginn gab es nur das große Salzwasser. Aus den Tiefen stieg Ungud, die Regenbogenschlange, empor. Steil richtete sie sich auf und warf ihren Bumerang in einem weiten Umkreis über das Meer. Mehrmals berührte der Bumerang auf seinem Flug die Fläche des Salzwassers, und dort schäumte das Wasser auf, und glattes, ebenes Land kam zum Vorschein. Ungud wanderte über dieses neue, weiche Land und legte viele Eier, aus denen neue Urzeitwesen schlüpften. Es waren die Wondjina, und sie wanderten in alle Richtungen.
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| 14.01.2011 21:15:41 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Wie die Menschen in Stämme eingeteilt wurden Nachdem die Schöpfung der Welt vollendet war, heirateten Brüder und Schwestern und andere nahe Verwandte wahllos untereinander, bis die schlimmen Folgen einer solchen Willkür deutlich zutage traten. Da wurde eine große Versammlung zusammengerufen, doch niemand wußte den rechten Rat. Nach langem Hin und Her wurde beschlossen, den guten Schöpfergeist Muramura um Rat zu bitten. Dieser gebot nach kurzer Ueberlegung, daß der Stamm in verschiedene Zweige aufgeteilt werden sollte. Jeder Zweig sollte einen Namen von einer anderen Naturerscheinung ableiten, wie Hund, Känguruh, Emu, Regen, Wind und so weiter. Und daß die Angehörigen eines solchen Zweiges zwar mit seiner Erlaubnis miteinander verkehren, aber nicht untereinander heiraten können. Und daß deswegen dem Sohn eines Hundes die Heirat mit einer Tochter eines Hundes verboten sei, aber daß er der Mann einer Beutelratte oder eines Emus sein könnte. Und so war von nun an die erste Frage an einen neuankommenden Fremdling stets: «Welcher Familie gehörst du an?» Woher Gesänge, Tänze und Gesetze kommen Vor langer Zeit lebten zwei alte weise Männer, die sehr gut waren. Die beiden Männer waren sehr groß, so groß wie ein Korkbaum, und trugen lange Bärte, die bis zu ihren Oberschenkeln herabfielen. Die beiden Alten erfanden und fertigten viele Dinge. Sie erfanden den Yona-Gesang und den Garamede-Tanz, die in den Beschneidungsfeiern verwendet werden. Sie trugen stets drei Gegenstände bei sich, die sie selbst gefertigt hatten und die nur geweihte Männer sehen und berühren durften: das heilige Schwirrholz Galegoro, das Seelenholz Birnnal und den scharfen Feldspatsplitter D'emare, der bei Beschneidungen verwendet wird. Außerdem besaßen sie den schlechten Stein Yagobanda, der schwarz ist, und den guten Stein Gande, der weiß ist und ebenfalls bei der Beschneidung benutzt wird. Gande und D'emare müssen in einer Hülle aus Papierbaumrinde verborgen gehalten werden, damit keine Uneingeweihten sie je sehen oder berühren können. Gagamaran und Gonbaren wanderten in viele Richtungen und brachten das Gesetz, den Yona- Gesang, den Garamede-Tanz und die Sitte der Beschneidung. Überall gaben sie den Menschen die verschiedenen Sprachen. Jetzt wohnen die beiden Alten im Himmel in den großen Sternennebeln. Manchmal kommen sie zur Erde herab und vollbringen gute Werke. Sie helfen den Menschen, über deren Gebiet sie zu Anbeginn gewandert waren. Sie bestrafen deren Feinde, um deren Gebiet sie Feuer legen. Dann trocknet alles aus. Wasserstellen, Bäume, Gras, alles, und die Feinde finden keine Nahrung mehr. Gagainaran und Gonbaren werden in Träumen gesehen. Sie geben den Träumern, die sie im Busch ergreifen, neue Gesänge und neue Tänze. Dann bringt der Mann die neuen Gesänge und Tänze heim ins Lager, wo er sie den anderen Männern lehrt. Woher der Wind am Wanambi-pidi kommt Wanambi-pidi, der heutige Mount Olga, ist die höchste Erhebung irn Olga-Massiv. Der Berg ist das ständige Heim der riesigen bunten Regenbogenschlange Wanarnbi. Die Riesenschlage besitzt einen wallenden Bart, eine lange Mähne und scharfe Fangzähne. In der feuchten Jahreszeit lebt sie in den Wasserlöchern auf dem Gipfel der Kuppe, doch wenn diese austrocknen, zieht sie in eine Wasserstelle an der Ostseite von Wanambi-pidi. Wenn diese Stelle gegen Ende der trockenen Jahreszeit austrocknet, zieht sich die Wanambi in den Felsendom selbst zurück, bis der Regen die Wasserlöcher wieder gefüllt hat. An der Nordseite des Mount Olga erstreckt sich die Walpa-Schlucht. Walpa ist der Wind, der durch diese Schlucht weht. Er ist der Atem der Regenbogenschlange. Meist ist Walpa ein sanfter Wind, doch wenn jemand den Zorn der Wanambi erregt, dann steigert sich der Wind zu einem mächtigen Sturm, und die Schlange erhebt sich in der Gestalt eines Regenbogens, um den Übeltäter zu töten und seine Seele zu stehlen. Daher wagt es niemand, die Wanambi zu erzürnen, indem er zum Beispiel ein rauchendes Feuer entfacht oder unerlaubterweise aus ihren Wasserstellen trinkt. Traumzeit: Die Prophezeiung Es gibt eine Traumzeit-Geschichte, die weit zurückreicht. Sie erzählt von den Weisen oder Stammesheilenden von einst. Früher vermochten sie in ihre besonderen Kristalle hineinzugehen. Sie sahen Bilder der Vergangenheit, Bilder von Dingen, die gerade jetzt, weit weg geschehen, und Bilder der Zukunft. Einige der Bilder der Zukunft erfüllten die Alten mit Furcht. Sie sahen eine Zeit, in der die Farbe der schwarzen Menschen blasser und blasser zu werden schien, wie die der Steine, bis überall in Australien nur noch die weißen Gesichter von den Geistern der Toten zu sehen waren. Die Aborigines verbinden weiße Haut mit Toten, da wir alle nach dem Tod zu weißen Skeletten werden. Als zum ersten Mal Weiße nach Australien kamen, vermeinten die Schwarzen, Geister von toten Menschen zu sehen, die in ihr altes Land zurückkehren, und hießen sie willkommen. Das Traumzeit-Gesetz besagt, daß die Lebenden Zeremonien abhalten und den Geistern der Toten helfen müssen; den Weg in den Himmel zu finden, wo die toten Geister leben. Die Zeremonien brachten die weißgesichtigen Menschen nicht ins Reich des Todes; vielmehr haben die Weißen das Reich des Todes auf die Erde gebracht. Auszug aus dem Buch von Robert Lawlor "Voices of the First Day" (1991; deutsch: "Am Anfang war der Traum)
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| 14.01.2011 21:17:03 | ![]() | |
| Pearl O'Connell |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 87 Mitglied seit: 04.01.2011 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Uluru Der Uluṟu, auch Ayers Rock, ist ein an der Oberfläche befindlicher Teil einer großen unteriridischen Gesteinsschicht in der zentralaustralischen Wüste im Northern Territory. Er befindet sich in einem 170.000 km² großen Sedimentbecken, dem Amadeus-Becken. Der Uluṟu wird von zahlreichen Touristen aufgesucht und um ihn ranken mythische Legenden der Aborigines, dass alle Traumzeitreisen dort enden bzw. dorthinführen. Der Uluṟu ist etwa 3 km lang, bis zu 2 km breit und hat einen Umfang von rund 9 km. Der Gipfel befindet sich auf einer absoluten Höhe von 863 m und hebt sich damit 348 m von der Dünenlandschaft Zentralaustraliens ab. Der Uluṟu ist kein Monolith, kein eigenständiger Gesteinskörper, sondern ein Teil einer unterirdischen Gesteinsschicht, die auch am 30 km entfernten Katja Tjuṯa an die Erdoberfläche tritt. Die Gesteinsschicht ist am Uluru etwa 2,4 km mächtig und erreicht nach Schätzungen bis zu 5 km Dicke und ist etwa 100 km breit. Ihr wird irrtümlich häufig noch der Mount Conner (The forgotten Mountain) zugerechnet. Der Mount Gabi, ein unterseeischer Monolith vor der Südwestspitze Australiens, ähnelt dem Uluṟu in seinem Aussehen, in seiner Größe, Form und Länge. Im Gebiet des Berges leben seit mehr als 10.000 Jahren die Anangu, ein Stamm der Aborigines. 1873 entdeckte ihn William Gosse als erster Europäer auf einer Expedition mit Peter Warburton und benannte ihn nach dem seinerzeitigen südaustralischen Premierminister Henry Ayers „Ayers Rock“. Traumzeitgeschichte Um den Uluṟu ranken sich Legenden der australischen Ureinwohner, die Begebenheiten der Traumzeit erzählen und dadurch Unregelmäßigkeiten im Aussehen der Felsen zu erklären versuchen, die sie für heilig halten: So beschreibt der Uluru-Mythos die Entstehungsgeschichte der Landschaft: Auf der Sonnenseite des Uluṟu wohnten die Mala, die Hasenkänguru-Menschen, und auf der Schattenseite die Kunia, die Teppichschlangen-Menschen, in Harmonie und Frieden. Die entfernten Windulka luden die Mala zu einer Initiation ein, doch die Mala sagten ab, da sie selbst Initiationen durchführen wollten und die Kunia nahmen gerne an und verliebten sich auf ihre Anreise in die Sleepy-Lizard-Women (Lizard = blauzüngige Tannenzapfenechse) und reisten nicht weiter. Daraufhin wurden sie durch einen Kulpunya bestraft, ein Hund mit riesigen Zähnen und ohne Haare, der bösartiger als ein Krokodil war, aber auch die Kunia wurden durch die Liru, die Giftschlangen-Menschen und weitere Kämpfer, die am Kata Tjuṯa lebten, bestraft. In der fürchterlichen Schlacht mit Toten, Schwerverletzten und Feuer bebte die Erde und der Uluru hob sich aus der damals ebenen Erde hervor und damit wurde der Geist der Mala und Kunia zu Stein und die Spuren und die Geschichte des Kampfes können die Anagu am Uluru ablesen und erzählen. Es gibt Felszeichnungen in mehreren Höhlen am Uluṟu, die diese und andere Legenden erzählen. Sie wurden im Laufe der Jahrtausende viele Male immer wieder durch Übermalen erneuert.
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| 14.01.2011 21:18:37 | ![]() | |
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