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Forum Übersicht » Ausstiegstagebuecher » Ausstiegstagebücher für ANGEHÖRIGE » Tagebuch kätzchen: Auf dem Weg in die Zukunft, Beginn: 07.05.12
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Tagebuch kätzchen: Auf dem Weg in die Zukunft, Beginn: 07.05.12
Paul Milafehlende Rechte fehlende Rechte fehlende Rechte 
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Liebes Kätzchen,




Ich muß gestehen, daß es mir diesmal nicht ganz leicht fällt, Dir zu schreiben. Einerseits bin ich sehr begeistert von dem, was ich lese. Es freut mich sehr, daß Du so mutig und bestimmt Dein Leben in die eigene Hand nimmst, und ich bin sehr beeindruckt, wie zügig Du die Ratschläge umsetzt, die ich Dir gegeben habe. Andererseits wird mir genau dabei bewußt, daß ich eben auch eine gewisse Verantwortung mit dem trage, was ich Dir hier schreibe. Es ist natürlich leicht für mich, Dir aus der sicheren, anonymen Entfernung weise Ratschläge zu erteilen. Ich muß mich schließlich auch nicht mit den tatsächlichen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen, mit denen Du dann später konfrontiert wirst.




Deshalb ist es mir wichtig, daß Du Dir selber klar machst, daß Du Deine Entscheidungen wirklich aus Deiner ganz eigenen Verantwortung heraus machst. Ich will damit nicht meine Verantwortung auf Dich abwälzen, und ich will Dir auch nicht das Gefühl geben, daß ich Dir nicht zutraue, daß Du solche Entscheidungen alleine treffen kannst. Denn ich traue Dir ganz sicher zu, daß Du solche Entscheidungen treffen, und auch, daß Du mit den Konsequenzen leben kannst. Mir wird jedoch bewußt, daß diese Konsequenzen nun langsam sehr ernst werden, und daß ich, wie gesagt, eine gewisse Mit-Verantwortung daran trage. Damit will ich Dich nicht beunruhigen oder verunsichern. Ich möchte es nur ganz klar und deutlich aussprechen und vorrausschicken.




Bitte mach Dir also klar, daß Du den größten Teil der Schwierigkeiten, denen Du in Zukunft begegnest, aus eigener Kraft bewältigen mußt. Wie gesagt, ich glaube daran, daß Du diese Schwierigkeiten meistern wirst. Doch ich möchte Dich auch davor bewahren, daß Du ohne dieses Bewußtsein Deine Entscheidungen triffst. Es ist ja auch nicht so, daß Du alleine dastehen wirst. Von Deinen Freunden und Deiner lieben Familie, von der Du am Sonntag berichtet hast, wirst Du ja ganz sicher eine Menge Unterstützung bekommen.




Jetzt, wo ich das vorweggeschickt habe, möchte ich eigentlich auch gleich Klartext reden. Nach dem, was Du in Deinen letzten Beiträgen geschrieben hast, habe ich ehrlich gesagt den Eindruck, daß Du langsam wirklich darüber nachdenken solltest, einen endgültigen Schlußstrich unter die Beziehung mit Deinem Mann zu ziehen. Ich schließe mich damit dem an, was auch Andi geschrieben hat. Dein Mann zeigt offenbar tatsächlich keinerlei Bereitschaft dazu, sich von seiner Sucht zu befreien oder sich auch nur kritisch damit auseinanderzusetzen. Im Gegenteil, er ergreift sehr umfangreiche und heftige Maßnahmen, um seine Sucht und sein krankhaftes Verhalten zu schützen. Da hat Andi ganz richtig drauf hingewiesen.




Ich habe in meinem Tagebuch geschrieben, daß die Entscheidung, hier meine Einträge zu veröffentlichen, unter anderem deshalb so befreiend ist, weil ich mich damit für die Wahrheit entscheide. Ich entscheide mich dafür, ehrlich und wahrhaft über meine Suchtprobleme zu schreiben, und damit entscheide ich mich auch für die Menschen, mit denen ich zusammenlebe. Denn solange ich andere Menschen über meine Sucht belüge, entscheide ich mich damit dazu, meine Sucht zu verstecken und sie vor den Augen der anderen zu beschützen. Solange ich andere Menschen über meine Sucht belüge, ist mir die Sucht damit ganz klar wichtiger, als die Menschen, die ich belüge. Wenn ich mir nun anschaue, wie Du das Verhalten Deines Mannes beschreibst, dann habe ich den Eindruck, daß er Dich nicht nur belügt, sondern daß er sich tatsächlich der Realität verschließt. Ihm ist tatsächlich noch überhaupt nicht klar, in was für schwerwiegenden psychischen Schwierigkeiten er steckt. Es ist sozusagen noch "voll drin". Darauf hat Andi auch schon ganz richtig hingewiesen. Doch mit diesem Verhalten entscheidet sich Dein Mann, meiner Meinung nach, auf sehr krasse Weise für seine Sucht und nicht für Dich.




Ich bin dankbar, daß Andi hier so klare Worte geschrieben hat, und ich kann mich ihm im wesentlichen nur anschließen, und damit muß ich auch Gabriele ganz offen widersprechen. Ich denke nicht, daß Du Deinem Mann noch die halbe Hand ausstrecken solltest, und ich denke, daß Du ihn tatsächlich ganz und gar loslassen solltest. Nach dem, was Du hier beschreibst, trägst Du die ganz Beziehung momentan auf Deinen eigenen Schultern. Dein Mann trägt nicht konstruktives zu Eurer Beziehung bei, und er verhält sich im wesentlichen so unreif wie ein kleines Kind. Es ist so, als hättest Du ein weiteres Kind, das Du erziehen müßtest. Wie Du ja nun selber langsam erkennst, ist er völlig abhängig von Dir, und seine kindischen Wutanfälle sind vor allem ein Ausdruck seiner eigenen Ohnmacht.




Wer wütend oder zornig ist, zeigt damit vor allem, daß er nicht so kann, wie er gerne möchte!




Ich möchte an dieser Stelle sofort etwas wichtiges schreiben, weil es mir gerade einfällt. Ich möchte es sofort schreiben, weil ich es nicht wieder vergessen möchte. Wie gesagt, ich finde es super, wie Du Dich gerade emanzipierst! Doch wenn Du in der nächsten Zeit tatsächlich die Entscheidung treffen solltest, Dich endgültig von Deinem Mann zu trennen, dann solltest Du, meiner Meinung nach, keine so heftigen Konfrontationen mehr mit ihm eingehen. Ehrlich gesagt, mache ich mir ein bißchen Sorgen darum, daß Dein Mann womöglich einen Kontroll-Verlust erleidet, wenn ihm klar wird, daß Du Dich von ihm trennen wirst. An seinem Verhalten, von dem Du hier berichtest, kann man eigentlich jetzt schon sehen, daß er jetzt schon nicht mehr viel Kontrolle über sich hat. Ich fürchte nur, daß ihm das überhaupt nicht bewußt ist, und daß ihm auch all die anderen Prozesse, die da in ihm ablaufen überhaupt nicht bewußt sind. Er verweigert sich der Realität. Er verweigert sich der Verantwortung, die er als erwachsener Mann zu tragen hat, und er bleibt in völlig kindischen Schuldzuweisungen stecken.




Also, wenn Du wieder einen Konflikt mit ihm bewältigen mußt, dann denk dabei vor allem daran, Dich selber zu schützen. Mir ist klar, daß die Beziehung zu Deinem Mann gerade jetzt sehr stark emotional aufgeladen ist, und daß es Dir nicht leicht fallen wird, ruhig zu bleiben. Doch mach Dir auch klar, daß Du durch solche Konflikte nichts gewinnst. Du wirst Deinen Mann nicht mit Deinen Argumenten überzeugen. Wenn das möglich wäre, würde sein Verhalten ja jetzt schon ganz anders aussehen. Du wirst ihn auch nicht von seinem Verhalten abbringen, und darüber bist Du Dir ja eigentlich auch im klaren. Ganz wichtig ist aber auch, daß Du Deinem Mann nichts zu beweisen brauchst! Es gibt da gar nichts zu beweisen. Ich verstehe, daß es Dir momentan wichtig ist, Dich gegenüber Deinem Mann zu behaupten, und daß es Dir wichtig ist, daß Du Dir seine Probleme nicht zu eigen machst und sie in Dich hineinfrißt. Das ist ja generell auch richtig. Doch Du mußt Dir auch die Frage stellen, was Du Dir davon erhoffst, und was Du damit erreichen willst.





Was erhoffst Du Dir davon? Was willst Du damit erreichen?




Nach dem, was Du hier im Forum geschrieben hast, bist Du in Deiner Familie momentan die einzige Person, die klar bei Verstand ist. Dein Mann ist es auf jeden Fall nicht. Doch das bedeutet, daß Du Dich mit solchen Fragen auseinandersetzen mußt. Du kannst es Dir so gesehen nicht leisten, Dir einfach im Streit mit Deinem Mann Luft zu machen. Sondern Du mußt jetzt den entscheidenden Schritt weiter machen. Du darfst Dich nicht auf das Reife-Niveau Deines Mannes herablassen, und Du darfst Dich auf keinen Fall auf das Niveau einer Schlammschlacht herunterziehen lassen. Sondern Du mußt einen kühlen Kopf bewahren und Dich auch in den Konfliktsituationen immer wieder fragen: "Was bringt mir das für die Zukunft? Was erhoffe ich mir davon? Was will ich damit erreichen?" Oder zum Beispiel auch: "Was bringt das meinen Kindern? Nütze ich mit meinem Verhalten meinen Kindern?" Ich will Dir damit jetzt nicht noch zusätzlich Druck machen. Doch das "Boot", in dem Deine Familie sitzt, ist gerade in einen heftigen Sturm geraten, und Du bist momentan die einzige, die klar genug im Kopf ist, um Euch durch diesen Sturm hindurch zu bringen. Und damit Dir das gelingt, mußt Du einen kühlen Kopf und die Ruhe bewahren. Damit Du ruhig und besonnen in die richtige Richtung steuern kannst.




Wenn ich von Familie spreche, dann meine ich jetzt natürlich erstmal Dich, Deinen Mann und Eure Kinder. In Deinem größeren Familien-Kreis gibt es sicher noch genügend andere Menschen, die klar denken können.




Also, vermeide bitte sinnlose und grobe Streitereien, und schütze Dich. Wirklich: Schütze Dich! Provozier Dein Mann nicht und dränge ihn nicht in die Enge. Zeige ihm auch nicht, daß Du klüger bist als er, und konfrontiere ihn auch nicht mit seinen Suchtzwängen. Er will das momentan sowieso nicht verstehen. Er will die Realität nicht sehen. Stattdessen konzentriere Dich wirklich darauf, Deine Ziele zu verfolgen, und frage Dich in jeder Auseinandersetzung immer wieder, ob sie Dir dabei hilft, ein sinnvolles Ziel zu erreichen oder Deine Situation zu verbessern. Das beste wäre tatsächlich, wenn Du Dich gar nicht mehr darüber aufregst, was Dein Mann sagt oder tut, sondern einfach mit ihm abschließt und Dich dann äußerlich und innerlich von ihm zurückziehst. Wenn Du wirklich endgültig von ihm losläßt, und dann wirklich nur noch über das nötigste mit ihm sprichst, ohne große Aufregung.




An dieser Stelle möchte ich noch etwas wichtiges sagen. Es ist nicht angenehm, doch ich denke, es ist wahr und hilfreich:




Enttäuschung ist etwas gutes, denn ENT-Täuschung bedeutet, daß man eine Täuschung aufhebt.




[...]









„Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.“ - Katharina von Siena



"We become what we think about most of the time." - Earl Nightingale



16.05.2012 21:25:59  
Paul Milafehlende Rechte fehlende Rechte fehlende Rechte 
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[...]




Wenn wir enttäuscht werden, dann ist das zwar unangenehm, doch es bedeutet immer auch, daß wir damit der Wahrheit näher kommen. Eben deshalb, weil wir uns nicht mehr über eine Sache täuschen. Dieses Gefühl der Ernüchterung, von dem die Enttäuschung begleitet wird, ist manchmal sehr hart. Doch auch Ernüchterung ist ja eigentlich etwas gutes und gesundes. Es ist ja zum Beispiel gut, daß wir von einem Alkohol-Rausch relativ schnell wieder nüchtern werden. Klar, dieser Prozeß (auch Kater genannt) ist unangenehm. Doch er ist gut und heilsam.




Liebes Kätzchen, laß Dich auf Enttäuschung und Ernüchterung ein.




Das ist der unangenehme Ratschlag, den ich Dir heute gebe.




Laß Dich auf Enttäuschung und Ernüchterung ein.




Laß Dich darauf ein. Laß Dich langsam darauf ein, daß die Beziehung mit Deinem Mann vermutlich nicht mehr zu retten ist. Laß Dich langsam auf diese Enttäuschung ein, und auf dieses unangenehme Gefühl der Ernüchterung, das nach der Enttäuschung einsetzt. Hab keine Angst davor, daß Du nach dieser Enttäuschung, nach dieser Ernüchterung einfach gar nichts mehr für Deinen Mann empfindest. Keine Liebe, aber auch keine Wut und Frustration mehr. Laß Dich auch darauf ein, daß Dein Mann Dir einfach gleichgültig werden kann. Und daß das in Ordnung sein wird, daß es nicht schlimm sein wird, und daß Du langfristig nicht darunter leiden wirst. Laß Dich auf diesen Prozeß ein: Enttäuschung, Ernüchterung, Gleichgültigkeit, und zum Schluß – Ruhe und Frieden.




Das wäre mein Rat für heute.




Was kannst Du dabei verlieren? Kann es schlimmer sein als das, was Du jetzt gerade durchmachst? Ist es nicht vielmehr so, daß momentan abzusehen ist, daß es eher dann schlimmer werden wird, wenn Du mit Deinem Mann zusammen bleibst?




Ich weiß, daß so etwas ungeheuer schwierig für Frauen ist. Als Jugendlicher erzählte mir meine Mutter davon, daß mein leiblicher Vater sie bedrohte und mißhandelte, und zwar über Jahre. Er ging so weit, ihr mit Selbstmord zu drohen, wenn sie sich von ihm trennen würde. Und trotzdem liebte sie ihn. Als Jugendlicher fiel es mir schwer, das zu verstehen, und noch heute fällt es mir nicht leicht. Warum hat sie sich nicht sofort getrennt? Bei der ersten Drohung, bei der ersten Mißhandlung? Weil sie ihn trotzdem liebte. So widersinnig das auch erscheinen mag.




Ich verstehe also, daß mein Ratschlag nicht leicht für Dich zu befolgen sein wird, und ganz sicher erwarte ich auch keinesfalls, daß Du ihn befolgen solltest, wenn Du es anders empfindest. Das meinte ich ja mit dem, was ich am Anfang geschrieben habe. Es ist Dein Leben, Deine Ehe, Deine Kinder, Deine Familie, und mit den schwerwiegenden Konsequenzen mußt letztlich DU leben, und nicht ich.




Doch ehrlich gesagt verstehe ich nicht, worauf Du noch hoffst. Ich verstehe nicht, wie Du Dir die gemeinsame Zukunft mit Deinem Mann vorstellst. Ich meine, selbst wenn Dein Mann sich wieder einigermaßen zusammenreißt. Wie soll das denn in Zukunft aussehen? Wie willst Du denn jemals offen und befreit mit ihm darüber reden, daß er mehrfach Todesdrohungen gegen Dich ausgestoßen hat? Das ist so eine massive Grenzüberschreitung, und das macht so viel kaputt! Ich war als Kind und Jugendlicher auch jähzornig, und ich habe zum Beispiel auch meiner Mutter massive Beleidigungen an den Kopf geworfen. Aber ich hätte ihr niemals mit dem Tode gedroht.




Das hat doch nichts mehr mit Liebe zu tun. Da ist überhaupt keine Liebe mehr. Dieses Licht ist erloschen.




Und ich glaube, das ist genau die Enttäuschung, auf die Du Dich einlassen mußt.




Langsam und behutsam. Langsam und behutsam solltest Du Dich auf diese Enttäuschung einlassen. Du solltest sie langsam und behutsam immer mehr zulassen. Du solltest langsam und behutsam immer mehr damit aufhören sich gegen sie zu wehren, und Du solltest Dich mehr und mehr dem Heilungsprozeß anvertrauen, der damit einsetzt. Dein Mann wird nicht anfangen zu heilen, so lange er noch die Wirklichkeit verleugnet. Doch auch Du wirst nicht heilen, so lange Du die Wirklichkeit nicht klar siehst, und damit Du sie klar erkennen kannst, mußt Du Dich auf Enttäuschung einlassen, also darauf, daß die Täuschung aufgehoben wird.




Ich möchte noch auf ein paar Zitate von Dir eingehen:




"Soll er doch sein ganzes Zeug packen und endlich abhauen."

– Ja, soll er doch!




"Ich muss mitteilen, was mich bewegt."

– Ja! Das mußt Du unbedingt! Laß es raus!




"Ist das nicht traurig."

– Ja, es ist furchtbar traurig. Was Du schreibst ist furchtbar traurig, und es ist vollkommen richtig und in Ordnung, daß Du diesen Zustand verändern möchtest.




"Heute weiß ich, daß ich gesund entschieden habe, als ich mich weigerte und darüber bin ich froh."

– Darüber kannst Du auch froh sein. Es war wirklich die vollkommen richtige Entscheidung, und was meinst Du, wie froh Du in ein paar Jahren sein wirst, wenn Du zurückblickst und erkennst, daß es genauso richtig war, Dich endgültig von Deinem Mann zu trennen?




"Ich WILL es!"

– Ja, richtig! Das ist die richtige Einstellung! Nimm Dein Leben selber in die Hand!




"Ich bin es wert, dass es mir gut geht,"

– Ja, das bist Du auch wirklich.




"Ich will leben und nicht dahinsiechen. Könnt Ihr das verstehen?"

– Natürlich können wir das verstehen! Das ist doch der normale Zustand im Leben!




"Dazu bin ich zu mutig, das weiß ich ganz bestimmt."

– Das ist genau die richtige Einstellung. Hab Vertrauen in Dich selbst.




Du hast mir in mein Tagebuch von Deiner Eingebung beim Unkraut-Jäten geschrieben. Ich mußte schmunzeln, als ich das gelesen habe. Eine ganz zauberhafte Anekdote. Ich mußte an die vielen Geschichten aus dem Zen-Buddhismus denken, in denen Mönche, die sich seit Jahren eifrig und verbissen, jedoch erfolglos der Meditation widmen, genau wie Du, bei einer scheinbar unwichtigen Alltagsarbeit, eine tiefe Eingebung haben und daraufhin zur Erleuchtung durchbrechen.




Wenn der Mathe-Lehrer im Unterricht von "radizieren" spricht, dann meint er damit "Wurzelziehen", und wenn wir ein Problem radikal lösen, dann lösen wir es damit an der Wurzel.




Deine Eingebung war vollkommen richtig. Solange man nicht an die Wurzel der Probleme geht, wird man sie auch nicht wirklich lösen können. Nun mußt Du für Dich selber heraus finden, wo Du Wurzeln Deiner Probleme liegen.





Man Rat lautet jedenfalls: Laß Dich also auf Enttäuschung ein.





Ich glaube, wenn Du Dich langsam und behutsam auf Enttäuschung einläßt, wirst Du eine Erfahrung machen, die Deiner Eingebung beim Unkraut-Jäten ganz ähnlich sein wird. Ich glaube, anfangs wird es Dir schwer fallen. Es wird Dir weh tun, und Du wirst Dich innerlich dagegen wehren. Doch Du ahnst, daß etwas wahres dran ist, und Du wirst Dich langsam mit der Enttäuschung anfreunden, und dann wird es Dir, glaube ich, eines Tages wie Schuppen von den Augen fallen. Das wird dann vermutlich noch mal richtig schmerzhaft werden. Doch dann, wenn Du Dich richtig ausgeheult hast, so wie es hier im Forum eine Angehörige schon mal beschrieben hat, dann wird eine große Ernüchterung einsetzen, und mit dieser Ernüchterung wird eine große Klarheit einsetzen. Du wirst die Dinge ganz und deutlich sehen und verstehen können, und dabei wirst Du verstehen, daß es sich nicht mehr lohnt, weiter Gefühle zu investieren.




Und dann wirst Du wirklich loslassen können.




Und das wird Dich frei machen, und damit offen für neues.




Denn es kann nichts neues anfangen, wenn das alte nicht vorbei ist.




Wenn Du Dich der Enttäuschung anvertraust, dann wird sie Dich langsam und behutsam zu diesem Tiefpunkt, zu dieser Talsohle geleiten. Sie wird dich dort hinführen. Doch das schöne an dieser Talsohle ist, daß es von dort eben in alle Richtungen nur nach oben geht, und das wirst Du lebendig spüren. Wenn Dich die Enttäuschung dahin gebracht hat, wirklich das alte zu beenden und loszulassen, dann wirst Du spüren, daß sich in dem Gefühl der Leere ein Funke von Freude entzündet. Die Freude darüber, daß jetzt etwas neues kommt. Dieses Gefühl kennst Du in Wirklichkeit auch schon. Wir kennen es alle, denn wir haben es alle immer wieder erlebt. Doch wenn wir älter und "erwachsen" werden, dann fällt es uns manchmal schwer, darauf zu vertrauen, daß das Unbekannte gut werden wird. Wir wollen uns dann lieber mit dem Bekannten absichern.




Doch wir alle kennen diese Freude, die auf eine schwere Enttäuschung folgt. Wir alle kennen diese Hoffnung.




Diese Hoffnung wird Dich da abholen, wo Dich Enttäuschung stehen gelassen hat. Denn die Enttäuschung kann Dich nur in die Tiefe führen, also maximal bis zur Talsohle. Dort wird sie sich verabschieden und Dich alleine stehen lassen. Dann wirst eine Zeit lang warten müssen, so wie Du auf den Bus wartest, und dann holt Dich von dort die Hoffnung ab, und diese Hoffnung wird am Ende Deiner jetzigen Entwicklung zum neuen Anfang werden.




Diese Hoffnung wird Dich tragen.




Doch vorher mußt Du ins Tal.




Das ist mein Rat an Dich.





[...]






bearbeitet von Paul Mila am 17.05.2012 16:59:03



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16.05.2012 21:28:25  
Paul Milafehlende Rechte fehlende Rechte fehlende Rechte 
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[...]




Liebes Kätzchen, mir ist klar, daß ich Dir mit diesem Beitrag eine Menge zumute. Mir ist klar, daß ich mit den Beiträgen, die ich Dir vorher geschrieben habe, ein gewisses Vertrauen von Dir gewonnen habe, und daß meine Worte Dich deshalb tief erreichen können. Mir ist deshalb auch bewußt, daß ich mich damit mehr in Dein Leben einmische, als es Du es von einem normalen Forumsbeitrag vielleicht erwarten würdest, und daß ich damit auch eine gewisse Grenze überschreite. Doch ich erinnere mich noch an Deinen ersten Beitrag hier im Forum, in dem Du davon geschrieben hast, daß Du niemanden findest, der Dich versteht und der Dir hilft. Dieser Verunsicherung und dieser Angst wollte ich einfach etwas bestimmtes, entschlossenes und kraftvolles entgegensetzen. Ich wollte Dir zeigen, daß Du mit Deiner Sichtweise auf die Probleme mit Deinem Mann völlig richtig liegst, und daß Du Dich damit auch nicht verstecken oder Dich dafür rechtfertigen mußt. Ich wollte Dir einfach kräftig Rückenwind geben, und diese Absicht steht auch hinter diesem Beitrag.




Es wäre aber unverantwortlich von mir, wenn ich Dich zum Schluß nicht noch einmal an Deine ganz eigene Verantwortung erinnere. Wie gesagt: Ich sitze hier in meiner kleinen Ein-Zimmer-Wohnung und schreibe hier aus sicherer, anonymer Entfernung weise Ratschläge. Es geht jedoch um Dein Leben, und das mußt natürlich Du Leben. Du wirst die Schwierigkeiten, die Dir in Zukunft begegnen zum größten Teil aus eigener Kraft bewältigen müssen. Wie tief ich Dich also mit diesem Beitrag auch erreicht haben mag, wie sehr er Dich auch bewegt haben mag:




Zum Schluß mußt Du alles, was ich Dir hier geschrieben habe, gründlich überdenken und kritisch hinterfragen.




Denn was immer Du in Deinem Leben tust, sollst Du ja nicht tun, damit ich damit zufrieden bin, sondern damit Du zufrieden bist.




Liebes kätzchen,


Ich wünsche Dir alles, alles Gute,
Paul










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16.05.2012 21:29:15  
gabriele_farkefehlende Rechte fehlende Rechte fehlende Rechte 
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Beeindruckend, Paul! Es ist schön, dass es noch Menschen gibt, die sich wirklich Gedanken machen und es ehrlich meinen mit ihren Mitmenschen. Du gehörst ganz sicher dazu.

Du schreibst, dass es ganz allein Kätzchens Entscheidung ist, was sie tun wird. Das ist richtig. Wenn der richtige Zeitpunkt da ist (und den wird Kätzchen deutlich spüren), wird sie das tun, was für sie das Richtige ist.

Zur "Hand reichen": Hattest Du meinen vorherigen Beitrag nicht gelesen? Hand reichen: JA, aber nicht um jeden Preis!

Danke, dass Ihr Euch hier alle so mitfühlend einbringt, das ist etwas ganz besonders Wertvolles!

GF


Gabriele Farke (HSO e.V.)

++++ Individuelle Online(Sex-)sucht-Beratung:
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17.05.2012 07:57:36    
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geschrieben von gabriele_farke am 17.05.2012 07:57:36


Zur "Hand reichen": Hattest Du meinen vorherigen Beitrag nicht gelesen? Hand reichen: JA, aber nicht um jeden Preis!



GF





Entschuldige,

Ich schreibe meine Beiträge ja alle offline zu Hause. Da gibt es dann immer eine gewisse inhaltliche Verzögerung.



Paul








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17.05.2012 16:56:37  
kätzchenfehlende Rechte fehlende Rechte fehlende Rechte 
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Lieber Paul,

zu allererst einen ganz lieben Dank für Deine Nachricht an mich. Ich habe alles sehr genau gelesen und möchte Dir zu Beginn so etwas wie die Absolution verabreichen, wie man so schön sagt.

Du musst Dir überhaupt keine Gedanken machen, dass Du bei mir da irgendetwas entfachst, was vielleicht schwer zu verantworten wäre. Denn alles was ICH tue, ist auch in MEINER Verantwortung. Ich finde es aber ungeheuer lieb von Dir, dass Du Dir dazu so tiefsinnige Gedanken machst, was mir beweist, dass Du hier nicht einfach eine Meinung preis gibst, sondern, dass Dir wirklich von Herzen daran liegt, mir beizustehen, mir in dieser schweren Situation zu helfen. Dafür danke ich Dir von ganzem Herzen. Ich bin ganz ehrlich überwältigt von warmen und guten Gefühlen, wenn ich jeden Tag lesen kann, wie sich hier die einzelnen Forumsmitglieder bei all den eigenen Schwierigkeiten auch um die anderen sorgen und versuchen mit gutem Rat und Erfahrung zu helfen. Das ist in dieser schweren Zeit ein ganz großer Trost für mich, und es trägt mich hindurch.

Lieber Paul Du hast ganz sicher mit Deinen Beiträgen bei mir Vertrauen erworben. Und das ist etwas ganz besonderes, weißt Du, gerade jetzt, wo man eigentlich glaubt, nicht mehr vertrauen zu können, weil man übel hintergangen wird, ist es für mich eine total wundersame Erfahrung, dass ich anscheinend doch noch vertrauen kann. Ja, sogar ganz bestimmt. Und das zeigt mir, dass ich den Weg der Heilung beschreite. All diese Worte gehen tatsächlich sehr tief in mich hinein und auch ich muss so manches Mal schmunzeln, wenn wie bei Gedankenübertragung genau das an mich geschrieben wird, bzw. in Worte gefasst wird, was mir gerade in diesen Momenten gedanklich zu schaffen macht.

Wie gesagt, ICH übernehme für alles die Verantwortung, was ich sage oder tu. Das kann keiner dem anderen abnehmen. Und das wäre dann auch nicht gut, denn dann würden wir uns ja gegenseitig entmündigen. Ich will wachsen an meinen Aufgaben und Schwierigkeiten. Ich will aber nicht darunter verbittern, sondern ich gehe den Weg ohne Abkürzung bis zum Ende mit meinem Gefühl (=Navigation!). Wenn ich dort angekommen bin, wird mir die Hoffnung ein neues Ziel vorgeben, und ich kann einen neuen Weg einschlagen.

Das mit der Ent-Täuschung war wohl Gedankenübertragung. Das bewegt mich gerade sehr. Ich merke erst jetzt bei all dem Abstand, wie leer doch alles ist, keine starken Gefühle mehr, keine Entschuldigungen mehr, die man selber nur allzu gern glauben möchte, um all das ungeschehen zu machen. Nein, nichts mehr davon. Es hat durchaus nichts mit Liebe, Achtung und Respekt zu tun, wenn man das Leben eines anderen Menschen bedroht. Da fiel mir ein, als wir uns damals kennenlernten, war ich anfangs gar nicht so begeistert von ihm. Aber ließ nicht locker. Doch nach ein paar Wochen wollte ich die Sache dann doch lieber wieder beenden. Da drohte er mir mit Selbstmord, weil ich doch der einzige Mensch in seinem Leben sei, er ihm etwas bedeute. Zum einen tat er mir sehr leid und zum anderen hatte ich doch Angst, er könnte seine Drohung meinetwegen war machen und ich müsste dann mit dieser Schuld leben. Heute weiß ich, dass das so einfach gar nicht geht. Kein Mensch hat eben das Recht, einem anderen für sein eigenes Tun die Schuld oder die Verantwortung zu übertragen. Heute würden bei so einem Satz die Alarmglocken bei mir läuten, aber damals wusste ich von alldem noch nichts.

Für die nächste Zeit habe ich mir nun vorgenommen, mich noch mehr auf "meinen" Weg zu konzentrieren. Ich werden unnötigen Diskussionen und Debatten, die ohnehin nichts bringen aus dem Weg gehen. Ich werde versuchen alles alleine zu meistern, oder mir eben entsprechende Hilfe dazu zu suchen. Aber eben nicht mehr von ihm. Mein Ziel ist es nun, dies zu üben, üben, üben und wieder zu üben. Das wird mir mit der Zeit Sicherheit geben, ein klein wenig kann ich schon spüren. Das ist ein schönes Gefühl.

Ich will auf keinen Fall irgendwelche Gewaltattaken provozieren. Damit ist niemandem geholfen. Aber ich werde trotzdem auch nicht einknicken und still meinen Weg entschlossen und zielsicher weitergehen. Für mich gibt es nur eine Zukunft ohne Sucht und Zwang, nämlich eine Zukunft in Frieden und Freiheit. Und dahin begleitet mich mein Gefühl, auf das ich hören werde. Und natürlich Du Paul, Birgit, Andi, Gabriele und all die anderen hier. Ich bin NICHT wirklich allein. Danke dafür an Euch ALLE!

Und wenn, auch allein sein kann ich inzwischen sehr gut. Ich muss nicht ständig jemanden um mich herum haben und es macht mir schon nichts mehr aus, wenn mein Mann einfach wegfährt und ich nicht weiß, was er macht und was er tut. Warum auch, ich kanns ja eh nicht ändern. Das ist SEINE Verantwortung!

Ganz, ganz liebe Grüße
kätzchen






17.05.2012 19:42:13  
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Donnerstag, 17.05.2012
Letzte Nacht glänzte mein Mann wieder mit ANwesenheit. Er will offensichtlich den Schein nach außen noch wahren. Aber am Vormittag verließ er ohne Frühstück und ohne ein Wort mit grimmigem Gesicht das Haus. Und?
Nein, es machte mir gar nichts mehr aus. Kein Gefühl von Trauer, kein Gefühl von Angst. Das ist ein Fortschritt, über den ich mich freue.

Nach Mittag kam meine Schwester auf einen Überraschungsbesuch vorbei, was mich sehr freute. Sie macht sich Sorgen wegen der Drohungen. Ich habe versucht, sie zu beruhigen und auch ihr versprochen, dass ich zusehen werde, keine Konfrontationen zu provozieren. Ich werde versuchen, alles Nötige in den nächsten Tagen und Wochen allein auf die Reihe zu bringen und mich auch dahingehend strikt von ihm zu distanzieren. Das ganze Reden und Erklären kommt im Moment sowieso nicht bei ihm an, es kommt mir sogar so vor, als könnte er es gar nicht erfassen. Solange er nicht selber erkennt, dass er sich da auf dem Holzweg befindet, lässt er auch keine Meinung zu seinem Problem zu. Das ist mir klar geworden.

Ich habe, das was ich denke und fühle ihm gegenüber bereits ausgesprochen und damit für mich meinem Wunsch entsprochen, mich mitzuteilen. Doch ob jemand den Brief, den er von der Post bekommt, öffnet und liest, oder ob er ihn in den Papierkorb oder schlimmer noch in den Schnitzler wirft, das ist SEINE Entscheidung und auch SEINE Verantwortung.

Tief bewegt haben mich heute die Beiträge von Paul und Gabriele auf meiner Tagebuchseite. All diese Worte helfen mir, meine Gedanken zu hinterfragen und wenn nötig auch einmal zu korrigieren, oder aber auch zu verteidigen. Auch das ist wichtig, um zu seiner eigenen Meinung stehen zu können und diese zu vertreten. Meine Meinung ist, dass ich Sucht und Zwang nicht mehr von meinem Lebensmut abknabbern lassen will, und dazu stehe ich.

glg kätzchen


17.05.2012 20:01:49  
Sarabandefehlende Rechte fehlende Rechte fehlende Rechte 
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hi kätzchen, ich lese deine beiträge immer und ich würde dir auch gerne etwas tröstendes sagen oder dir einen guten ratschlag geben, aber das kann ich zur zeit leider nicht. ich weiß auch nicht, warum das so ist...

aber ich denke, dass du auf dem richtigen weg bist und du hast mit paul den besten beistand, den du haben kannst :)

lg
sarabande


17.05.2012 22:28:53  
kätzchenfehlende Rechte fehlende Rechte fehlende Rechte 
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Liebe sarabande,
ich freu mich auch ohne Ratschlag, dass Du hier bei mir bist. Schön, von Dir zu lesen. Auch ich denke, dass ich auf dem richtigen Weg bin, zumindest habe ich ein gutes Gefühl bei allem was ich tue. Das ist wichtig. Und mit Paul habe ich wohl den besten Beistand, den man sich nur wünschen kann, da hast Du völlig recht. Trotzdem seid ihr alle wichtig, und ob man nun in diesem Moment mal einen Ratschlag weiß oder nicht, ist nicht so wichtig.

Wenn ich Deine Worte aber so lese, kommt in mir das Gefühl hoch, dass es Dir momentan nicht so gut geht. Täusche ich mich, oder ist es tatsächlich so. Wenn ja, schreib es Dir von der Seele, das tut Dir bestimmt gut, weiß ich aus Erfahrung!!
glg kätzchen


18.05.2012 19:17:43  
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Freitag, 18.05.2012
Heute früh musste ich mit Grenzen setzen in den Tag starten. Meine ältere Tochter mischt sich zusehens immer stärker in mein Leben ein. Fast schon, wie eine Mutter. Das ist aber so nicht in Ordnung, da läuft was falsch rum. Also habe ich ihr heute eindeutig gesagt, dass das was ich tue, ich allein entscheide und ich weder einen Aufpasser, noch einen Verteidiger in Form meiner Tochter brauche. Sie war von dieser Grenzlegung jedoch nicht sehr angetan, eher wütend, was ihr aber nichts half. ICH entscheide mein Leben selber, ich lasse nicht über mich entscheiden oder verwalten. Sie muss sich als Kind im System einreihen, wo sie hingehört.

Es ist, so habe ich darüber nachgedacht, etwas völlig Unterschiedliches, ob ich hier von Euch im Forum Ratschläge bekomme, oder ob mein Kind mich in bevormundender Weise behandelt. Deshalb habe ich hier nun ihr gegenüber ein Machtwort gesprochen. Das war an der Zeit.

Es war heute ein relativ anstrengender Arbeitstag. Am späten Nachmittag kam mein Mann zum ersten Mal wieder in unser gemeinsames Büro, da hatte er sich die Tage zuvor nicht mehr blicken lassen. Bevor er dann Schluss machte, lag ihm ganz offensichtlich etwas auf dem Herzen, er traute sich aber anscheinend nicht, mich anzusprechen. Ich war froh, dass er nichts gesagt hatte, denn ich will wie schon gesagt, keine Konfrontation im Moment, die wieder in wilden Drohungen ausartet. Wobei ich aber in keinster Weise hier sagen kann, dass er evtl. auf Streit aus gewesen wäre, nein, ich fühlte von seiner Seite aus vielmehr so ein hilfloses aber lautloses Versuchen, ein Gespräch zu beginnen.

Ich ließ mich aber lieber nicht darauf ein. Mir ist dazu momentan nicht zumute. All die schlimmen Dinge der letzten Zeit sitzen mir noch im Nacken. Und ich habe auch nicht vor, auf ein bisschen Gewinsel wieder hereinzufallen. Das tue ich mir wirklich nicht an. Der Abstand tut mir jetzt erst einmal sehr gut. Was kommt, weiß ich nicht, aber ich weiß genau, dass ich Sucht und Zwang keinen Milimeter mehr in meinem Leben geben werde. Auf keinen Fall. Keine Täuschung mehr, sondern Ent-Täuschung!!




18.05.2012 19:40:18  
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Samstag, 19.05.2012
Heute habe ich mich schon ordentlich bewähren müssen, auf meinem neuen Weg. Wir müssen den Keller ausräumen, weil es ja mit dem Hausbau möglichst zügig weitergehen soll, und auch dort der E-Strich rein muss. Das Problem ist nur, dass dort unzählige Dachziegel zwischengelagert sind, die mein Sohn damals auf Anordnung meines Mannes (in seiner vorherigen Suchtperiode) dorthin schleppen musste. Wir hatten uns damals furchtbar gestritten, weil wir übrigen Familienmitglieder dies als eine absolut sinnlose Aktion sahen, da wir ja alle wussten, dass die Dachziegel dort nicht bleiben können. Aber es half damals nichts, das Zeug kam dorthin, wo er es haben wollte. Nur er beteiligte sich nicht an dieser Sissiphosarbeit.

Tja, und jetzt wo sie ja wieder raus müssen, ist er auch nicht da. Sondern wer?? Na wir, wer denn sonst, die Kinder und ich. Also schleppten wir heute Dachziegel bis zum Umfallen, ich musste dabei wieder an Pauls Steinbruch denken. Da mein Sohn technisch gut drauf ist und auch die Maschinen bedienen kann, machten wir uns einen Schlachtplan und sahen zu, die Arbeit diesmal so einfach wie möglich anzugehen. So ist nun schon ein beachtlicher Teil ausgeräumt und wir machten uns frohgemut an die nächst anstehende Arbeit, nämlich die Wiese zu mähen. Aber da stockte unser Elan dann erstmal, weil der Rasentrack nicht ging. Wir brachten ihn auch nicht zum Laufen. So fragte ich mittags kurzerhand meinen Mann, der ja den Vormittag auf der Couch in depressivem Zustand verbracht hatte, was denn mit dem Track los wäre. Er wusste aber gleich, dass es die Batterie sein muss und man glaubt es nicht, gleich nach Mittag machte er sich doch tatsächlich auf und reparierte den Track. Hätte er es nicht getan, hätte ich einen Freund angerufen, der sich auch gut mit diesen Dingen auskennt. Aber, dass es so einfach gehen wird, da war ich selber überrascht.

Alles in allem also eine positive Bilanz. Wir, meine Kinder und ich haben alles auf die Reihe gekriegt, und das macht mich wieder ein Stück weit sicherer und ich fühle mich wie befreit. Wir schaffen das, ganz bestimmt.

lg kätzchen


19.05.2012 16:05:12  
Andi72fehlende Rechte fehlende Rechte fehlende Rechte 
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@ Frau Farke,

Ihnen ist mein tiefschwarzer Zynsimus meines Zitats "Na logisch, keinesfalls Mann selbst, oder etwa die P, die einem alles geben, was man sehen will, sondern die eigene Partnerin, die langweilig, unattraktiv und spießig geworden ist.... " hoffentlich nicht entgangen oder? Angesichts Ihrer Antwort war ich mir da nicht ganz sicher :)


20.05.2012 21:49:10  
gabriele_farkefehlende Rechte fehlende Rechte fehlende Rechte 
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@Andi ...
Natürlich! Leider meinen es einige THERAPEUTEN aber nicht zynisch, sondern im vollen Ernst. DAS ist ja die Tragik und das wollte ich mit meiner Antwort zum Ausdruck bringen! Sorry, wenn das anders rübergekommen ist.

GF


bearbeitet von gabriele_farke am 21.05.2012 09:00:17
Gabriele Farke (HSO e.V.)

++++ Individuelle Online(Sex-)sucht-Beratung:
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http://www.epubli.de/shop/buch/Ausgebremst-Und-pl%C3%B6tzlich-ist-alles-anders-gabriele-farke-9783844238402/22970
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21.05.2012 08:59:15    
Andi72fehlende Rechte fehlende Rechte fehlende Rechte 
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Hi kätzchen, endlich bin ich dazu gekommen, alles Neue hier zu studieren. Ich kann es kurz machen: ich gehe 100% konform mit Pauls Einschätzung :))

Gibts was Neues bei dir?

LG


22.05.2012 19:42:12  
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Sonntag, 20.05.2012
Schon beim Frühstück ergibt sich völlig unerwartet für mich ein Gespräch mit meinem Mann. Er fängt von sich aus an zu reden über die Therapie, über den ganzen Seelenschmerz, den dies alles mit sich bringt. Er sagt, dass ihm die Therapie sehr heftig vorkommt und es für ihn sehr schwer ist, auf all die schlimmen Vorkommnisse in seiner Kindheit zurückzuschauen. Als dann auch noch Tränen aus seinen Augen kullern, was ich lange nicht gesehen habe, tut er mir ehrlich gesagt leid.

Aber trotzdem wechselt er dann auch gleich wieder in die Vorwurfsrolle. Ich hätte ihn übergangen, da ich die Dachziegel nicht dorthin stellen hätte dürfen, wo sie nun einmal sind.... Moment mal, sag ich da, wenn wir eh schon die Arbeit allein machen, die Kinder und ich, dann solle er entweder mithelfen und kann dann auch mitbestimmen, aber ansonsten bleibt das Zeug wo es ist. Nein, er fühlt sich von mir übergangen und ich könnte ohnehin das ganze Zeug dann wieder dorthin verfrachten, woher ich es jetzt räume. Da überleg ich so, was will der eigentlich von mir?
Dachziegel rein in Keller, jetzt Dachziegel raus aus Keller und dann wieder rein in Keller???? Der spinnt doch, oder. Und das sag ich ihm dann auch. UND, dass ich ganz bestimmt diese blöden Dachziegel nicht mehr in den Keller tragen werde,weil ich nicht sein Sklave bin. Sieh an, da ist er beleidigt.

Für den Sonntag Nachmittag hat sich Besuch angesagt. Und siehe da, der Herr des Hauses bleibt zu Hause und fährt wieder nicht in seine Wohnung. Der Besuch ist ein guter Freund, er weiß, was los ist bei uns. Und als er Gelegenheit hat, mit mir alleine zu sprechen, da meint er ganz entsetzt, so wie der (mein Mann!) drauf ist, gehört der dringend in eine Psychiatrie. Meine Rede, aber irgendwie bin ich auch froh, dass andere Leute, die Abstand zu allem haben, das auch so sehen.


23.05.2012 19:01:27  
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