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Forum Overview » Archive » kit_von_flick » Feindbild Frau
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Feindbild Frau
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Rolf Pohl ist Privatdozent und verwaltet zur Zeit eine Professur für Sozialpsychologie an der Universität Hannover. Im Offizin-Verlag sind bereits erschienen: Normalität und Massenpathologie - Ernst Simmel. In: Judentum und politische Existenz (2000); Normalität und Pathologie. Sozialpsychologische Anmerkungen zum Umgang mit der NS-Gewalt in der deutschen Nachkriegsgesell-schaft. In: Gewalt und Zivilisation in der bürgerlichen Gesellschaft. Kritische Interventionen, Bd. 6 (2001). Er ist zusammen mit Joachim Perels Herausgeber des Bandes: NS-Täter in der deutschen Gesellschaft (2002) mit einem Beitrag über: Gewalt und Grausamkeit. Sozialpsychologische Anmerkungen zur NS-Täterforschung.

Klappentext:
Sexuelle Gewalt ist männlich. Ihr liegt eine ambivalente bis feindselige Einstellung gegenüber Frauen zugrunde, die als Tendenz bei fast allen Männern in männlich dominierten Gesellschaften mit einem Zwang zur Heterosexualität nachweisbar ist. Weiblichkeit wird von Männern unbewußt als Bedrohung erlebt und deshalb abgewehrt. Pohl weist nach, daß die gängigen Erklärungsansätze zu kurz greifen, die sexuelle Gewalthandlungen ausschließlich als Ausdruck männlicher Macht deuten und die Sexualität des Mannes weitgehend unberücksichtigt lassen. Der Autor hingegen verknüpft den Ursprung geschlechtsbezogener Gewalt mit der Entwicklung einer mehr oder weniger phallisch-aggressiv ausgerichteten männlichen Sexualität. Entscheidend dabei sind nicht allein die Triebgrundlagen von Sexualität und Aggression, sondern ihre Bindung an ein gemeinsames Objekt: die Frau. Anhand einschlägiger ethnologischer und kulturvergleichender Studien zeichnet der Autor zunächst nach, wie unter dem Druck vorherrschender Männlichkeitsbilder die Verbindungen von Sexualität und Aggressivität durch Initiationsriten in das Unbewußte und in die Körper der heranwachsenden Jungen und Männer eingeschrieben werden. Im weiteren untersucht Pohl die Konstitution der männlichen Geschlechtsidentität bis zur endgültigen Errichtung des Genitalprimats. Das geschieht auf der Basis einer gründlichen und kritischen Rekonstruktion des in der gesamten sexuellen Gewaltdiskussion weitgehend abgelehnten triebtheoretischen Fundaments der Freudschen Psychoanalyse. Abschließend wird unter psychoanalytisch-sozialpsychologischer Perspektive das Verhältnis von männlicher Sexualität und Destruktionslust am Beispiel der Gewaltbereitschaft männlicher Jugendlicher, der männlichen Perversionen und Sexualstraftaten sowie dem Verhältnis von Krieg und männlicher Sexualität unter besonderer Berücksichtigung der Massenvergewaltigungen von Frauen und Mädchen diskutiert. Haß und Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen, so die Kernthese des Autors, sind auch das Ergebnis einer Leugnung und Abwehr der männlichen, auf den weiblichen Körper gerichteten Begierde. Die durch Frauen ausgelöste sexuelle Erregung bestätigt die Abhängigkeit des Mannes und entlarvt die im männlichen Autonomiewunsch enthaltene Idee vollkommener Beherrschung und Kontrolle als wahnhafte Illusion.

Rückseite:
Zur Geschlechtsidentität des Mannes gehört die Abwertung des weiblichen und die Idealisierung des eigenen Geschlechts. Das männliche Selbstbild ist an die Einheit von sexueller und sozialer Potenz gebunden. Unter dem vorherrschenden Zwang, sich als das überlegene Geschlecht zu setzen und zu beweisen ist die männliche Integrität doppelt bedroht. Nach einer repräsentativen Studie haben achtundachtzig Prozent der deutschen Männer unbewußt Angst vor Frauen und vierundachtzig Prozent Angst vor Potenzversagen.
Die Studie Feindbild Frau zeigt, daß die vorherrschende Einstellung des Mannes zur Frau durch eine brisante Mischung aus Lust, Angst, Neid und Haß gekennzeichnet ist, die in Zeiten innerer und äußerer Krisen gewaltsam ausbrechen kann. Dabei wird Angst in Grausamkeit umgewandelt und kann sich in den bekannten Formen sexueller Gewalt äußern. Sexuelle Gewalt dient aber nicht nur der Wiederherstellung einer beschädigten Männlichkeit, sondern auch der sexuellen Befriedigung des Mannes. Dieser Zusammenhang, der sich vor allem an Vergewaltigungen unter zivilen und unter Kriegsbedingungen nachweisen läßt, wird in der gesamten sexuellen Gewaltdiskussion vernachlässigt oder geleugnet. Vor diesem Hintergrund bilden die Verbindungen von Sexualität und Aggression in den unbewußten Tiefenstrukturen der Männlichkeit den psychoanalytischen Hauptfokus des Buches.

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Objektivität ist die Wahnvorstellung eines Subjekts,
das es ohne sich selbst beobachten könnte.
4/21/2009 2:37:14 PM   
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