Mensch!?!
Ein sich selbst nicht kennendes Wesen?
SearchSearch CalendarCalendar GalleryGalleryAuction-PortalAuctionsMembersMembers StatisticsStats
get your RSS-Feed
Language/Sprache:  Admin  
 Login: ChatChat (0) new User-MapUser-Mapsend Passwordsend Password RegisterRegister

Forum Overview » K1 » 2009 » Sucht - 26.12.2009
Pages: (1) [1] »
Registration necessaryRegistration necessary
Sucht - 26.12.2009
fb-bfno Access no Access first Post cannot be deleted -> delete the whole Topic 
Group: Administrator
Level:

Posts: 15
Joined: 3/14/2010
IP-Address: saved
offline


Der Grund den Thread Sucht zu benennen hat sich aus dem folgenden Kommentar von piratesgirl ergeben, den ich im Folgenden PK benenne.

QuoteZitat:
Original von piratesgirl
In unserer Gesellschaft wurden und werden wir fast alle viel zu früh und zu lange von unseren ersten Bezugspersonen getrennt, wir haben also fast alle diese Verlustängste aus unserer Kindheit, die uns bis heute verfolgen.
Andererseits hatten wir uns selbst von klein auf an zu negieren, durften unseren Gefühlen keinen Ausdruck geben, weil wütende, trotzige, traurige, zurückgezogene Kinder ihren Eltern nicht gefallen. Aber wir wollten geliebt werden, also mussten wir gefallen, also haben wir unsere wahren Gefühle versteckt und die Gefühle gespielt, die unseren Eltern gefielen. Wir haben begonnen, Masken aufzusetzen. Wir haben gelernt: „Wenn ich diese oder jene Rolle spiele, werde ich geliebt“. Wenn ich dies oder jenes tue, bekomme ich dafür dies oder jenes“. Und die Mutter hatte die Macht, die Regeln, den Einsatz festzulegen. Unsere Mütter haben sich an uns schadlos gehalten für die Entbehrungen, die sie als Kinder erleiden mussten, die Verzerrung, die sie lernen mussten, um akzeptiert und geliebt zu werden. Sie verlangten von uns die Liebe, Aufmerksamkeit, Hingabe, Verschmelzung, die sie in ihrer Kindheit verwehrt bekamen.
Sie haben das Recht, traurig oder wütend zu sein, uns ihre Liebe zu entziehen, wenn wir Kinder ihnen das verweigert haben, was sie von uns verlangten.

Dieses Recht ist sogar verbrieft: In der Bibel steht: Du sollst deine Eltern lieben und achten. Jeder von uns, der es je gewagt hat, schlecht von seinen Eltern zu sprechen, wird diese Antwort kennen: „Du wirst erst im Reinen mit dir sein, wenn du ihnen verzeihen/vergeben kannst“. Aber wie funktioniert dieses Verzeihen? Es kann einem egal werden, man kann es vergessen, aber verzeihen ist nicht egal sein oder doch? Auch die Vergebung ist nur wieder eine Verzerrung unserer wahren Gefühle, eine Negierung unseres Selbst.

Die Monogamie ist nichts als die Antwort - das "Gegen-Angebot" - unserer Gesellschaft auf den Schmerz der Trennung von unseren Müttern, nichts als die Antwort auf die Verbiegung und Negierung unserer Gefühle, die wir von Anbeginn an lernen mussten. Aber sie ist und bleibt ein Fluch.
Zum einen weil sie nur ein Substitut für die fehlende Liebe unserer Mütter ist und mithin diese niemals wirklich ersetzen kann. Zweitens aber legt sie uns erneut Fesseln an, weil sie uns die Liebe zu einer zweiten, dritten, vierten etc. Person verbietet, die aber eigentlich in uns vorgesehen ist, mehr noch, die die Grundlage für ein harmonisches Zusammenleben in größeren Verbunden als die der engsten Familie wäre.
Der monogame Liebesbegriff definiert sich gleichsam über die Abgrenzung gegen die Anderen, die „Fremden“, sie ist also ihrem Wesen nach rassistisch. Damit aber widerspricht sie einem unserer Grundbedürfnisse: zu lernen, die Welt zu erkunden, unseren „Horizont zu erweitern“.
Und – schau welch Zufall – auch die Monogamie ist wieder verbrieft: „Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib…“.

Was aber steckt dahinter auf der moralischen Ebene des Denkens unserer Gesellschaft? Wir verlangen von den anderen geliebt zu werden, weil wir niemals gelernt haben, uns selbst zu lieben, aber in einer Vertragsgesellschaft leben, in der es sehr wohl möglich scheint, dass ich, wenn ich dir etwas auf der emotionalen Ebene gebe, daraus das Recht ableiten kann, von dir etwas zurück zu bekommen – mehr noch das einfordern kann.

piratesgirl (..) Hier der vollständige Kommentar


PK macht m.E. die Energiequelle sichtbar, die die für das herrschende kapitalistische System unverzichtbare Symbiose speist, aus tradiertem normativen Denken und Bedürfnisbefriedigung über Konsum. Weil PK m.E. den Nagel defizitäres zwischenmenschliches Konstrukt schon auf den Kopf trifft, möchte ich dem PK trotzdem noch drei Punkte hinzufügen.

[1] Die latent getrennt vorhandenen weiblichen und männlichen Gesellschaften vereinigen sich zu einer Suchtgesellschaft. Die unsinngerweise oft als Spaßgesellschaft bezeichnet wird. Dieser Spaßgesellschaft zum Hohn, sind die Wertungen ihrer geliebten Weltanschauung Heteronormativität mit ihrer sozialen Norm Heterosexualität. Die ist nämlich weder spaßig noch lust- und lebensfreundlich.

[2] Monogamie ist meiner Meinung nach, kein soziales Konstrukt, sondern eine sexuelle Variante wie z.B. Selbstbefriedigung, Promiskuität, Homosexualität und Asexualität.

[3] Dass explizit die polyamore Beziehungsvariante die feudalistische Variante der Aufklärung "teilweise" als Grundlage hat. Nur "teilweise", weil die feudalistische Genuss- und Verschwendungssucht die Sexualität nicht heuchlerisch der Liebe opferte, die in dieser Zeit noch das war, was sie ist, nämlich ein emotionaler Rausch und kein obskures ideologisches Konstrukt, das erst in der Zeit des romantischen Bürgertums entstand und bis heute die Gehirne verseucht. Dass der Liebe schon seit biblischen Zeiten alles Mögliche an die Backe geheftet wurde, ist ein anderes Thema.

Ich behaupte jetzt einfach mal, dass jeder von uns die Fragilität sowie die Flüchtigkeit der Liebe kennt. Weder über die Liebe noch über einen Menschen können wir frei nach Gusto verfügen. Die Liebe ist etwas Herrliches, man könnte sie sogar als überirdisch bezeichnen, weil sie einem so losgelöst vom grauen Alltag erscheint.
Aber warum empfindet man es so?
Warum wird so selten die Liebe als das belassen was sie ist: Ein überbordender emotionaler Rausch?
Die relevante Antwort auf diese 2 Fragen führt mich zum PK zurück.

Die seit der Kindheit bestehende Sehnsucht nach liebevoller Anerkennung und Geborgenheit soll u.a. mit der idealisierten Liebe gestillt werden. Das absurde Beziehungskonstrukt (egal ob mono oder poly) aus ursprünglich getrennter Sexualität und Reproduktion, soll ausgerechnet die flüchtige Liebe ermöglichen und zusammenhalten? Geglaubt wird ja vieles und noch mehr wird so lange an Ansichten, Überzeugungen herumgeschraubt, bis sie ausreichend passen. Das so entstandene Produkt ähnelt m.E. aber mehr einem Flickenteppich aus Kompromissen, als einer alternativen Lebensweise.

Natürlich kann niemand eine alternative Lebensweise aus dem Ärmel schütteln, aber eine Neue mit demselben tradierten normativen Denken und Handeln zu gestalten, kann nicht funktionieren. Und schon gar nicht, wenn ausschließlich die Liebe fokussiert wird und alles andere nebenbei nach Lust und Laune diskutiert wird, wenn es dazu überhaupt kommen sollte.
Unter anderem deswegen, sind für mich Aussagen wie (..) ich bin polyamor (..) nicht integer, weil es dieser Aussage nicht bedarf, es sei denn, es wird als elitäres Etikett gebraucht. Auch das Festhalten an Hierarchien erscheint mir in diesem Zusammenhang dubios. Ich wage zu behaupten, dass Liebe mit der Hierarchie Haupt- und Nebenpartner unvereinbar ist, sie ist m.E. nicht zuweisbar oder teilbar.

Liebe ist, sie findet statt oder eben nicht.

Mir liegt es allerdings fern zu behaupten, hier wird nur Etikettenschwindel betrieben.
Gleichwohl stellt sich mir die Frage, wozu braucht es Etiketten?

In erster Linie bin ich Mensch.
Und kein Polyamorer, kein Polygamer, kein Monogamer, kein Promisker, auch kein Homosexueller sowie kein Asexueller. Das sind nur Möglichkeiten, die ich alle in mir habe.
Die ich leben kann oder auch nicht.
Die weder richtig noch falsch sind.
Es kann ja nicht sein, dass ein Attribut den gesamten Menschen definiert.
Zurück zum PK.
Bin ich nicht in der Lage, mich selbst zu lieben, mich selbst zu befriedigen, kurzum, mir selbst zu genügen, dann fehlen mir nicht nur unabdingbare Voraussetzungen andere lieben und befriedigen zu können sondern ich mache mich zum willenlosen Sklaven anderer, die meine Bedürfnisse nach Lust und Laune befriedigen oder mich am ausgestreckten Arm verhungern lassen können.

PS. Ich werde mich hier höchstwahrscheinlich nicht vorstellen, weil ich mit den hier vertretenen polyamoren Ansichten nicht konform gehn kann. Ich lebe seit den 60er Jahren, das, was ich kann und was mir gefällt. Mainstream habe ich bis heute immer abgelehnt. Hatte weder einen Trauschein noch habe ich eigene Kinder. Vergönnt war mir allerdings ca. 20 Jahre lang sozialer Vater zu sein.

PPS. Das Obige ist nicht als Provokation gedacht, sondern spiegelt meine Meinung wieder, wie ich sie auch in anderen Foren, Blogs, Online-Zeitungen etc. vertrete.


Ich rede nicht mit jedem, aber arrogant bin ich nicht.
9/15/2010 11:53:02 PM   
Registration necessaryRegistration necessary
Pages: (1) [1] »
all Times are GMT +1:00
Thread-Info
AccessModerators
Reading: all
Writing: Administrator
Group: general
none
Forum Overview » K1 » 2009 » Sucht - 26.12.2009

.: Script-Time: 0.047 || SQL-Queries: 7 || Active-Users: 6,814 :.
Powered by ASP-FastBoard HE v0.8, hosted by cyberlord.at