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| Meine Onlinesucht und der Ausstieg, Danke HSO e.V.! |
| Protector |
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| Gruppe: Benutzer Rang: Beiträge: 2 Mitglied seit: 22.03.2008 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Hallo, ich schreibe hier weil ich von meinem erfolgreichen Ausstieg aus dem Internet berichten will. Früher war mir garnicht bewusst dass ich onlinesüchtig bin, erst durch die vielen Informationen des HSO e.V. wurde mir klar dass ich in Wirklichkeit krank bin und Hilfe brauchte. Ich habe vieles in meinem Leben geändert und habe hier aufgelistet, was ich ändern musste um dem Internet den Rücken zu kehren. Der Text ist im Präsenz geschrieben, weil das für mich einfacher ist. Ich bin in der Woche 84 Stunden im Internet, also 12 Stunden am Tag. Die anderen 12 Stunden schlafe ich. Ich habe einen Laptop mit UMTS, so dass ich auch unterwegs online bin. Als Programmierer in einem international agierenden Entwicklerteam muss ich über Instantmessenger mit Mitarbeitern kommunizieren. Diese leben in verschiedenen Zeitzonen, so dass ich quasi rund um die Uhr mit jemandem über wichtige Dinge reden muss. Einige meiner Freunde sind nach dem Abitur in andere Städte und einer sogar nach Irland gezogen. Auch mit ihnen kommuniziere ich über das Internet. Ich hielt dies bisher für normal und auch sehr praktisch, aber durch Ihren Verein ist mir klar geworden, dass ich in Wirklichkeit onlinechatsüchtig bin, und lieber Papierbriefe und Telefone benutzen sollte, was zwar länger dauert, Geld kostet und umweltunfreundlich ist, aber wenigstens offline geschieht. Darüber hinaus spiele ich auch Computerspiele mit Freunden oder alleine im Internet. Ich sehe jetzt ein, dass ich onlinespielsüchtig bin. Ab sofort werde ich in die Kneipe gehen um mit betrunkenen Männern in verrauchter Umgebung Skat und Poker um Geld zu spielen, da bin ich offline und in sicherer Umgebung. Auch meine Freundin chattet mit mir über ICQ, wir sind in verschiedenen Onlinecommunities wie Studivz und haben uns auch darüber kennen gelernt. Wenn wir uns treffen schauen wir Youtube-Videos und hören unser Lieblings-Internetradio. Das ist natürlich schlecht, weil es über das Internet geschieht, wir werden daher aufgrund Ihrer Aufklärungsarbeit in Zukunft Riefenstahlfilme auf einem alten Schwarzweiß-Fernseher schauen und Schallplatten von Wagner hören. Auch schreiben wir uns manchmal Liebesbriefe oder schmutzige Texte. Es ist klar, dass ich onlinesexsüchtig bin und kein normales Liebesleben führen kann, solange ich das Internet benutze. Ab sofort gibt es für meine Freundin und mich nur noch ungeschützten Missionarssex im Dunkeln um Kinder zu zeugen. Wenn ich meine Familie besuche, sei es Mutter oder Großeltern, nehme ich immer meinen Laptop mit. Meinem Opa drucke ich öfter Google-Maps-Routen nach Kurorten oder anderen Erholungsgebieten aus, zu denen er dann mit meiner Oma fährt. Manchmal diskutieren wir beim Essen über geschichtliche oder politische Themen und benutzen dann Wikipedia oder Google um Wissenslücken zu schließen. Jetzt weiß ich, dass ich in Wirklichkeit das soziale Zusammenleben mit meiner Familie gefährde und werde in Zukunft auf Straßenatlanten aus Papier zurückgreifen und für Recherchen die Lexika meiner Großeltern von 1963 benutzen; die sollten aktuell genug sein, schließlich hat die ganze teuflisch-technische Entwicklung seit damals bis heute zum Internet geführt und kann daher garnicht gut sein. Auch habe ich bisher immer Internetshops benutzt um einzukaufen. Meine Wasch- und Spülmaschine, diverse Schnäppchen bei eBay, Elektronikartikel und andere Dinge habe ich so online gekauft und liefern lassen. Da ich kein Auto besitze und die meisten großen Einkaufsmöglichkeiten mehrere Kilometer entfernt sind, hielt ich das Internet für ein sehr nützliches Instrument meine Einkäufe zu tätigen. Jetzt weiß ich, dass ich onlinekaufsüchtig bin und habe bereits im Garten einen Scheiterhaufen für die gekauften Gegenstände aufgestellt. Ab sofort werde ich lieber 20km zu Fuß gehen um Waschmaschinen, Schränke und sonstiges im RL offline zu kaufen und dann nach Hause zu tragen. Wenn Freunde und Bekannte mich besuchen, schauen wir Filme oder aber wir gehen in die Stadt. Manchmal koche oder backe ich auch mit Freunden. Dafür benutzen wir Informationen aus dem Internet, z.B. Preise und Zeiten für das Kino, Koch- und Backrezepte oder Öffnungszeiten und Adressen von Lokalitäten in der Stadt. Filme schauen wir immer am PC, z.B. über Google Video oder mit Torrent geladen. Dass ich an einer Online-TV-Sucht leide und ein krimineller Raubkopierer bin, wurde mir erst jetzt bewusst. Ganz eindeutig bin ich nicht mehr zu einem normalen sozialen Leben fähig und muss daher sofort solche Aktivitäten einstellen. Ab sofort gehe ich nur noch bei McDonalds essen und werde nie wieder Freunde einladen. Man könnte ja auf die verrückte Idee kommen ins Internet zu gehen. Filme schaue ich nur noch auf RTL2. Früher habe ich viele Internetquellen benutzt um mich über aktuelles geschehen zu informieren. Internetportale von Tageszeitungen, Lokalnachrichten und internationale Nachrichtenportale dienten mir zur Informationsbeschaffung. Ich war so verblendet, dass ich tatsächlich im Glauben war, so möglichst facettenreich und unabhängig Informationen zu bekommen. Jetzt weiß ich, dass ich onlinelesesüchtig bin und werde von jetzt an nur noch die Bild als Quelle meiner politischen und gesellschaftlichen Informationen nehmen. Zu guter Letzt mein Studium: Klausuranmeldungen, Semesterticket und viele Informationen können nur online getätigt bzw. erhalten werden. Daher habe ich das Studium sofort abgebrochen und stattdessen Hartz4 beantragt. Dank Ihrer Hilfe bin ich jetzt vom Internet geheilt. Ich möchte zum Abschluss noch einmal zusammenfassen, was Sie für mich getan haben und wohl noch für viele andere Menschen tun werden: Früher war ich: -Aktiv mit Freunden und alten Schulkameraden im Kontakt -Experimentierfreudig und aufgeschlossen beim Sex -In einer glücklichen und langjährigen Beziehung -Programmierer mit sehr interessanter und erfüllender Arbeit in einem tollen internationalen Team -Regelmäßiger Spieler von Onlinespielen -Vielseitig informiert -Student an der TU Dortmund -Wohnhaft in einer ruhigen und schönen Wohnsiedlung -Sportlich und wohl genährt Jetzt bin ich: -Vereinsamt -Unzufrieden mit meinem Sexualleben -Kurz vor dem Ende meiner langjährigen Beziehung -Arbeitslos und gelangweilt -Alkoholiker -Verschuldet -Verdummt durch Bild und RTL2 -Wohnhaft in einem Ghetto mit hoher Kriminalitätsrate -Fettleibig und immer hungrig DANKE H.S.O. e.V.! | |
| 22.03.2008 22:47:24 | ![]() | |
| gabriele_farke |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 2804 Mitglied seit: 26.03.2006 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Nun, Protector ... wer sich für eine Vera..... so viel Mühe gibt, der verdient es, hier gelesen zu werden, so dass ich den Text stehen lasse. Es ist immer wieder schön, Menschen mit Humor zu erleben, den haben wir auch! Weißt Du, wenn Du die HSO e.V.-Arbeit und den Kampf gegen Onlinesucht (nicht gegen das Internet) so lächerlich findest, dann spricht das für Dich, denn dann brauchtest Du uns nie! Wir freuen uns für Dich und drücken Dir die Daumen, dass Du niemals onlinesüchtig wirst und Dich dann durch einen Beitrag wie diesen angegriffen fühlen könntest. Leider ist die Sache nämlich weitaus ernster, als Du es in Deinem jugendlichen Leichtsinn wohl glauben magst. Also, unter Berücksichtigung, dass wir uns seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Belange von Onlinesüchtigen einsetzen und wirklich keine Mühen scheuen, das Thema öffentlich zu machen, um Hilfsangebote zu schaffen, würde ich persönlich mich für so einen Beitrag wie den Deinen eher schämen, als stolz darauf zu sein. Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen. Sei doch so gut und übe Dich etwas in Toleranz und Menschlichkeit, das wäre wirklich gut für uns alle ;) LG, G.
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| 23.03.2008 09:49:15 | ![]() | |
| gabriele_farke |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 2804 Mitglied seit: 26.03.2006 IP-Adresse: gespeichert ![]() | P.S. .... Nun, protector (oder soll ich lieber Max sagen?), wen wundert es? ... Eigentlich würde ich aber GERADE von Leuten mit Deinem Job oder Hobby (HLT) wesentlich mehr Ernsthaftigkeit dem Thema Onlinesucht gegenüber erwarten. Aber solange Ihr Euch in dem Metier lustig macht, zeugt das eben davon, wie verantwortungslos Ihr mit Eurem Job/ Hobby und vor allem mit Euren Usern umgeht. Schade, schade :-( GF
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| 23.03.2008 14:03:00 | ![]() | |
| Ratlos |
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| Gruppe: Administrator Rang: Beiträge: 643 Mitglied seit: 23.10.2006 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Da hat sich aber wirklich einer richtig Mühe gegeben! Ich finde auch, dass wir das stehen lassen sollten - wäre doch sonst schade um die investierte Zeit und Energie. Es freut mich auch, dass ENDLICH mal jemand aufdeckt, dass wir nichts anderes als eine bundesweite Verschwörung gegen das Internet an sich sind ;-)))) Protector wird seinem Namen wirklich gerecht - er schützt heldenhaft und wortreich das ganze Netz vor uns, die wir uns hinterwäldlerisch einfach komplett gegen "die Moderne" richten... Gaby, ich fühle mich .... durchschaut. Du dich nicht auch? ;-) Junge, wir sind aufgeflogen - aber sowas von! Zutiefst betroffen Ratlos ![]()
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| 23.03.2008 14:41:13 | ![]() | |
| Protector |
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| Gruppe: Benutzer Rang: Beiträge: 2 Mitglied seit: 22.03.2008 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Sehr schön, ich habe mich gefragt wie ihr reagieren werdet. Max oder Protector ist mir relativ egal, ich fühle mich bei beidem angesprochen. Mein Ziel war es mit diesem Text eine Diskussion zu entfachen und vorher ein wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. Das Problem, das ich bei dieser "Onlinesucht"-Sache sehe, ist, dass die Onlinesucht als solche eigentlich nicht existiert. Alleine die Unterscheidung zwischen RL und VL ist absurd, was ich mit meinem Text unterstreichen wollte. Mein RL findet zu einem großen Teil im Internet statt und ich nenne es nicht RL, sondern L: Leben. Wichtig ist doch, dass Menschen Dinge tun die sie glücklich machen und dafür gibt es ein einfaches Basisrezept: Grundbedürfnisse erfüllen, Anerkennung, Selbstverwirklichung und Ziele. Wenn dort etwas nicht stimmt, jemand keine Freunde hat, ständig scheitert, von Mitmenschen kritisiert oder gemobbt wird - oder wenn er keine Herausforderungen hat, dann führt dies zu Depression, Lethargie und dem Zurückziehen aus dem gesellschaftlichen Leben. Menschen die diese Probleme haben werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Ersatz suchen, d.h. durch Hobbies, Drogen oder auffällige Verhaltensstörungen das Loch in ihrem Leben versuchen zu füllen. Warum jetzt bei Menschen, die aufgrund solcher Probleme ihr "Glück" in WoW, Pornos oder dem Chatten mit fremden Menschen suchen, von Onlinesucht geredet wird, verstehe ich nicht. Es redet auch niemand von Reallife-Sucht wenn jemand einen Puzzlezwang hat und nicht duschen oder essen geht bevor er ein 1000-Teile-Puzzle vollendet hat. Versteht mich nicht falsch, tendenzielle finde ich gut was ihr macht. Aber ihr setzt am falschen Ende an. Wenn mein Bein weh tut weil es gebrochen ist, zerschneide ich auch nicht mein Rückenmark, damit der Schmerz nicht mehr ans Gehirn geleitet wird, sondern ich versuche das Bein zu heilen. Das bedeutet also, wenn ich meine Befriedigung online in Pornos suche, weil ich sexuell frustriert bin, gehöre ich in eine Sex- und Beziehungstherapie, und nicht in eine Onlinesuchttherapie. Wenn ich exzessiv WoW spiele, weil ich keinen Erfolg im Studium, in der Schule oder im Beruf habe, dann gehöre ich in eine Karriereberatung und nicht in eine Onlinesuchttherapie. Wenn ich mit fremden Menschen lieber chatte, als mit meiner Familie zu reden, oder weil ich keine Freunde habe, dann gehöre ich in eine Familientherapie oder in einen Selbsthilfekurs für Selbstbewusstsein, und nicht in eine Onlinesuchttherapie. Das Internet bzw. die Angebote im Internet sind nicht Schuld am Missbrauch daran. Genauso wie Becks nicht Schuld an Alkoholkranken ist und genauso wie Mercedes nicht Schuld an Verkehrstoten ist. Es nützt nichts, wenn Blizzard auf die WoW-Packung schreibt "Achtung, kann zu Onlinesucht führen.", genauso wie Warnungen auf Zigarettenpackungen die Raucher nicht abhalten zu rauchen und genauso wie Peta-Demonstrationen vor McDonalds die Menschen nicht vom Fleischkonsum abhält. Klar, es ist einfacher eine Sucht loszuwerden, wenn man das Suchtmittel los wird. Aber das ändert nichts an den Ursachen der Sucht. Wenn die Menschen die diese Probleme haben, dahin therapiert werden sich Alternativen für ihre Onlineaktivitäten zu suchen, dann werden sie neue Süchte, neue Fetische bekommen. Ihre Probleme, ihre Sorgen, ihre Ängste, ihre psychischen Störungen, Krankheiten oder was auch immer werden dadurch nicht geheilt. Just my 2 cents. Danke fürs Zuhören, äh Lesen. | |
| 23.03.2008 17:05:42 | ![]() | |
| Sammy1980 |
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| Gruppe: Administrator Rang: Beiträge: 468 Mitglied seit: 28.10.2006 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Alles klar, Protector. Dann können wir ja vielleicht die Internetseite hier schließen und den ganzen Betroffenen und Hilfesuchenden sagen, dass sie mit ihrem Problem besser in eine Familientherapie gehen sollen. Damit ist sicherlich allen sehr geholfen. Warum wir da nicht schon früher drauf gekommen sind... Protector, deine Ansichten sind schön und gut, gehen aber katastrophal an der hier erlebbaren Realität vorbei. Wie es Friedrich Wilhelm Pfeil so schön sagte: "Alle Theorie ist grau, und nur der Wald und die Erfahrung sind grün." Du hast zwar eine Theorie, aber absolut keine Erfahrung mit dem Thema, das kann ich dir sagen.
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| 23.03.2008 18:30:24 | ![]() | |
| gabriele_farke |
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| Gruppe: Administrator Rang: ![]() Beiträge: 2804 Mitglied seit: 26.03.2006 IP-Adresse: gespeichert ![]() | Nun gut, gebe ich halt auch noch meinen (letzten) Senf dazu: Ich habe keine Lust mehr, über die Existenz von Onlinesucht überhaupt noch zu sprechen. WIR wissen hier, dass es sie gibt und 12 Jahre Beratungsarbeit mit Betroffenen geben uns recht. Sorry, protector, aber DAS ist nun wirklich nicht mehr unser Thema. Erkundige Dich in der einschlägigen Presse, z.B. http://www.onlinesucht.de/aezteblatt.htmoder http://www.pte.at/pte.mc?pte=080322001 und in vielen hundert weiteren Schriften namhafter Professoren, Wissenschaftler und Hirnforscher. Oder meinst Du, Du bist schlauer als die Ärzte? Es ist traurig, aber vielleicht auch verständlich, dass Du als Anbieter virtueller Welten zornig bist, dass es Onlinesucht nun mal gibt, aber deshalb lässt es sich noch lange nicht verleugnen. Thema damit geschlossen, da wir in unseren Erkenntnissen schon seit Jahren weiter sind als Du ;-) GF
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| 23.03.2008 18:53:01 | ![]() |
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